Meinung
 

Verzicht auf Gegenwehr

Aus der Bluttat von Kirchweyhe ist kein Fanal, kein folgenreicher Weckruf geworden. Man muß sie wohl als Menetekel, als Vorzeichen noch größeren Unheils verstehen. Die furchtbaren Verwundungen, die dem Opfer Daniel S. zugefügt wurden – das zertretene Hirn, das gebrochene Rückgrat –, zeugen von physischer und symbolischer Vernichtungsabsicht und archaischen Energien.

Der türkischstämmige Schriftsteller Akif Pirincci hat sie in einem auf der Internetplattform „Achse des Guten“ veröffentlichten Artikel klar benannt. Unter dem Titel „Das Schlachten hat begonnen“ erkennt er im Rudel- und Jagdverhalten der Tätermeute ein verbreitetes Handlungsmuster und deutet es als Ausdruck eines „evolutionären Vorgangs“. Laut Pirincci vollzieht sich der „schleichende Genozid an einer bestimmten Gruppe von jungen Männern“. Ziel sei die Übernahme des Territoriums und die Unterwerfung der autochthonen Ethnie. „Die Evolution ist nun einmal ein blindes, blödes Programm, aber extrem effektiv.“

Kein Naturgesetz, sondern das Ergebnis bewußter Politik

Doch haben wir es tatsächlich mit einem blinden Naturereignis zu tun? Pirincci führt mehrere Fakten an, die sich in das naturbelassene Evolutionsmodell nicht einfügen. Der Verzicht auf Gegenwehr seitens der Deutschen sei atypisch. Den Grund sieht er in der Vergottung moslemischer Zuwanderer bei gleichzeitiger Verteufelung der eigenen Herkunft. Kein Naturgesetz also, sondern das Ergebnis bewußter Politik!

Statt von einem evolutionären sollten wir also von einem biopolitischen Prozeß sprechen, der durch zahllose Einzelmaßnahmen – politische, rechtliche, gesellschaftliche, massenpsychologische – vorangetrieben wird. Unter Biopolitik wird traditionell die quantitative und qualitative Regulierung der Bevölkerung durch Geburtenkontrolle und -förderung, durch Gesundheits- und Sozialpolitik verstanden. Man muß auch die Zuwanderung sowie die staatlichen Eingriffe hinzurechnen, die das individuelle und kollektive Bewußtsein in politischer Absicht deformieren.

Faktische Pflicht zur Selbstnegation

Es werden Zwangsvorstellungen indoktriniert, unter denen das „Überleben und Sichtreubleiben sich ausschließen“. (Arnold Gehlen) Ein Kollektiv, das als wichtigstes Erbteil seine historische Schuld, mithin seinen Unwert und damit die faktische Pflicht zur Selbstnegation verinnerlicht, zerfällt in Atome, die zur Solidarisierung und zu gemeinsamem Handeln unfähig sind.

Die Erwartung aber, durch die Abdankung als nationales Kollektiv wenigstens individuelle Schonung zu erlangen, wird vom „schleichenden Genozid“ der instinktgesteuerten Kampfmaschinen widerlegt.

Den zerstörerischen biopolitischen Mechanismus, seine Hintergründe, Bestandteile, Protagonisten und Nutznießer darzustellen, ist der einzige Weg, ihn – vielleicht – zu durchbrechen.

JF 16/13

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