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Deutscher Romantiker

Rafael Seligmanns Lebensthema sind die Aporien des deutsch-jüdischen Verhältnisses. Der Schriftsteller, Publizist und Fernsehjournalist polemisiert gegen die deutschen „Profi-Holocaustler“ und „Judenbetrauerer“ im Allgemeinen und gegen die „Musterjuden“ im Besonderen. Vor einigen Jahren veröffentlichte er seinen gleichnamigen Roman. Der Begriff ist namentlich auf Figuren wie den Möchtegern-Skandalautor Maxim Biller, den falschen Irak-Spezialisten Michael Wolffsohn oder den Rotlicht-Experten Michel Friedman gemünzt, deren mediale Präsenz nicht auf besonderen Leistungen beruht, sondern auf ihrer jüdischen Herkunft, die ihnen innerhalb der Gesellschaft einen priesterlichen Rang verleiht. Die „Musterjuden“ rennen Türen ein, die längst offenstehen, die die historisch verunsicherten Deutschen aber nicht zu durchschreiten wagen. Sie ermuntern sie zur Normalität und wachen gleichzeitig darüber, daß diese sich nicht erfüllt, denn dann wäre ihr Einsatz überflüssig. Wegen dieser Doppelfunktion heißen sie auch „Kritisches Gewissen“. Der „Musterjude“ ist die nachträgliche Karikatur der durch Hitler zerstörten deutsch-jüdischen Symbiose, eines Höhepunktes der abendländischen Geistesgeschichte. Unter diesem Zustand leidet der liberale Jude und Patriot Rafael Seligmann. Sein Credo: „Jeder Jude soll nach seiner Fasson selig werden“, lehnt sich nicht zufällig an Friedrich II. an. Seligmann wurde 1947 in Tel Aviv geboren. Im Alter von zehn Jahren kam er nach Deutschland, wo er Geschichte und Politik studierte. Seine Dissertation beschäftigt sich mit Israels Verteidigungspolitik. Er arbeitete als Redakteur bei der Welt und gründete 1985 die Jüdische Zeitung. Heute lebt er in Berlin und ist laut Selbstauskunft mit einer Deutschen evangelischen Glaubens verheiratet. Außer dem „Musterjuden“ hat er fünf weitere Romane verfaßt. Ihre Qualität ist umstritten, denn die Figuren müssen ständig die An- und Absichten ihres Erfinders erläutern. Auch seine politischen Aufsätze, in denen er unter anderem eine selbstbewußte deutsche Außenpolitik fordert, lesen sich mitunter wie unfreiwillige Parodien auf Grundsatzartikel von Helmut Schmidt. Substantiell und anregend sind dagegen seine Wortmeldungen zum deutsch-jüdischen Verhältnis. Seligmann argumentiert kenntnisreich, doch vor allem ist er ein Romantiker, der von einer deutsch-jüdischen Renaissance träumt. Die Symbiose aus Musterjuden und -deutschen, die sich gegenwärtig vollzieht, stellt eine Karikatur dieser Vision dar und ist deshalb die Zielscheibe seiner Attacken. Mit der im Stern geäußerten Forderung, den Bau des Berliner Holocaust-Denkmals abzublasen, hat er bundesweit Schlagzeilen gemacht. Das Stelenfeld sei das Gegenstück zum Nürnberger Reichsparteitagsgelände und eine Hypothek für die deutsch-jüdischen Beziehungen. Er ist nicht der erste Romantiker, dessen Wirklichkeitssinn den der erklärten Realisten weit übertrifft.

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