Deutsch im Abwehrkampf

Gar nicht witzig“ findet Marjan Sturm, Obmann des Zentralverbandes der Kärntner Slowenen, ausgerechnet die Kampagne der Grünen zur Arbeitskammerwahl im österreichischen Bundesland. „Das dürfte Kalkül gewesen sein. Und ich halte das für gar nicht gelungen“, zitiert Der Standard den verärgerten Funktionär der autochthonen slowenischsprachigen Volksgruppe nördlich der Karawanken.

Grund für die Verstimmung sind die vielen Plakate der Grünen, die in großen Buchstaben die Kärntner zum „Deutsch wählen“ auffordern, was ausgerechnet im neunzigsten Jahr des Kärntner Abwehrkampfes andere Deutungen zulassen könnte. Diese wehrt die Partei mit ihrer Spitzenkandidatin Daniela Deutsch erschrocken ab. „Dahinter verbergen sich keinesfalls antislowenische Reflexe.“ Bisher habe auch niemand „negativ auf das Plakat reagiert“, selbst in zweisprachigen Gebieten Südkärntens habe sie niemand darauf angesprochen. „Ich heiße nun einmal Deutsch“, entschuldigt sich die Grünen-Politikerin.

Dabei müßten ihr die Assoziationen an die Abstimmung von damals keineswegs peinlich sein, ging doch die Aggression von den Truppen des jungen Staates der Serben, Kroaten und Slowenen aus, die im Mai 1919 mit General Rudolf Majster Südkärnten besetzten, um es ihrem Staat zuzuschlagen. Die von den Siegermächten in St. Germain beschlossene Abstimmung fand dann im Oktober 1920 statt. Wenn jetzt zur anstehenden Wahl wieder 59 Prozent „Deutsch“ wählen, wie es damalige Kärntner deutscher und slowenischer Zunge taten, dürfte  zumindest mit mehr als der geplanten Eroberung eines dritten Mandats gerechnet werden.

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