Dauerkarten für den Friedhofsbesuch

Geld zu erwerben, erfordert Klugheit, Geld zu bewahren zumindest ein gewisses Maß an Weisheit – Geld sinnreich auszugeben aber ist nachgerade eine Kunst. Das befand zu seiner Schaffenszeit (1812–1882) wahrlich treffend ein deutscher Denker- und Dichtergeist namens Berthold Auerbach. Davon ist offenbar herzlich wenig geblieben – weder bei den skrupellosen Verursachern des beispiellosen Geldvernichtungsdesasters unserer Tage noch bei denen, die sich nun flugs, zumeist kläglich hilflos und laienhaft, zu Reparateuren und Rettern der Enterbten aufschwingen.

Doch auch einige Etagen unterhalb der Mega-Welt-Geld-Bühne wird gänzlich ungeniert nach dem vielgeschmähten Abzock-Verfahren verfahren. Ein besonderes Kapitel ist zum Beispiel das schier unerträgliche Friedhofsgebühren-(Un)wesen. Auf der Suche nach immer neuen Einnahmequellen gebärden sich Gemeindeparlamente im Verbund mit „ihren“ Verwaltungen wie pietätfreie Trittbrettfahrer auf dem weiten Feld von Hinterbliebenenschmerz, Trauer und Leid.

Um die tausend Euro als 30-Jahre-„Miete“ für ein 1,5-Quadratmeter-Urnengrab, das mag ja gerade noch angehen. Richtig unanständig wird es aber, wenn für das Graben eines etwa 60 Zentimeter tiefen Erdlochs schon mal 500 oder 600 Euro zu berappen sind. Oder wenn allein für die bloße Genehmigung des Fundaments für einen Grabstein und die zugehörige „Verkehrssicherungspflicht“ jeweils gut 200 Euro fällig werden – zumal, man faßt es kaum, der Steinmetz zuvor bereits beim Einreichen des Antrags bei der Gemeinde so eine Art Gewerbeausführungsnutzungserlaubnis hatte käuflich erwerben müssen. Diesen Friedhofberechtigungsschein gibt’s netterweise als Einzelticket oder als Dauerkarte – wie etwa beim Eintritt ins Museum, in den Tierpark oder für die städtische Eisbahn. Im Klartext: Die Stadt oder Gemeinde verlangt eine hübsche Extragebühr dafür, daß ein Handwerker (in diesem Fall ein Steinmetz) an Ort und Stelle überhaupt seine Arbeit verrichten darf – für genau die Tätigkeit also, an der eben die Gemeinde via Einkommensteuer, Gewerbesteuer und Mehrwertsteuer ohnehin schon munter mitverdient.

Oben wie unten heißt demnach die lockere Losung: Geld allein macht nicht unglücklich, man muß es den Leuten nur abpressen. Und wohl nur Zyniker versuchen das finanzkrisengeschüttelte Volk mit dem flotten Spruch zu beschwichtigen: Ihr Geld ist nicht weg, es ist nur woanders.

Rolf Dressler war langjähriger Chefredakteur beim „Westfalenblatt“ in Bielefeld und ist nun freier Journalist.

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