Klaus-Rüdiger Mai Die Zukunft gestalten wir!

 

Schleichende Türkisierung

Darauf muß man erst mal kommen: In deutschen Schulen werde zu wenig Türkisch angeboten, moniert der frischgebackene Grünen-Vorsitzende Cem Özdemir. Das klingt hanebüchen angesichts ausufernder Parallelgesellschaften, die sich in ihrer verstockten Verweigerung der Landessprache regelrecht einmauern. Aber es hat Methode. Özdemir reklamiert den „Migranten“-Bonus, mit dem er es als erster Vorzeige-Türke an die Spitze einer deutschen Multikulti-Partei geschafft hat, auch für den Rest der türkischstämmigen Einwandererschaft. Dahinter steckt mehr als der gängige Denkfehler, Ausländerpolitik ausschließlich als Lastenheft vom Staat zu erbringender Leistungen und Angebote zu betrachten. Özdemirs Vorstoß, der vordergründig als Extrawurst für türkische Problemkinder im deutschen Schulsystem daherkommt — „Mehrsprachigkeit entfalten“, heißt das im Multikulti-Schönfärb-Sprech —, stellt in Wahrheit alle Parameter auf den Kopf: Die angestammte Bevölkerung soll sich an jene türkischen Immigranten anpassen, die umgekehrt dazu nicht die geringste Lust verspüren. Das mag die verdiente Quittung für gescheiterte Integrationsillusionen sein. Es mag auch gefälliger verpackt sein als die arroganten Auftritte von Ministerpräsident Erdoğan. Wir sollten uns dennoch allmählich daran gewöhnen, Politiker wie Özdemir als Trojanisches Pferd der schleichenden Türkisierung Deutschlands zu betrachten.

Probeabo JF 2021 Gratis lesen

Wenn Ihnen der Artikel gefallen hat: Unterstützen Sie die JF mit einer Spende.

Der nächste Beitrag

ähnliche Themen
Hierfür wurden keine ähnlichen Themen gefunden.
aktuelles