Verlogene Sicht

Schon wieder hat sich Berlin einen Rüffel eingefangen: Der deutsche Einsatz am Hindukusch sei "unzureichend". Hinsichtlich Logistik, Ausbildung und Einsatzwillen auch im umkämpften Süden Afghanistans zeige die Bundeswehr eine schwache Leistung. Berlin hat gegen die Vorwürfe zu Recht protestiert. Im Rahmen der Isaf, deren Aufgabe die Unterstützung der Kabuler Regierung und der Wiederaufbau ist, hat die Bundeswehr in ihrem Sektor mehr geleistet als anderswo die USA, deren Bombentaktik mehr neue Feinde schafft als alte tötet.

Die neuen Vorwürfe zeigen, wie ernst die Lage ist. Die Nato kriegt sich in die Haare, weil auf dem angeblich schicksalhaften Kriegsschauplatz ein paar Kompanien fehlen? Das klingt, als würden Schuldige markiert, weil man nicht mehr an den Sieg über die Taliban glaubt. Aber auch in der deutschen Debatte herrscht eine verlogene Sicht. Wäre es tatsächlich so, daß unsere Sicherheit am Hindukusch verteidigt wird, dann wäre schwer verständlich, warum nicht die ganze Bundeswehr dort ist. Doch es kann gut sein, daß die aufs Militärische fixierte Nato-Debatte am Wesentlichen vorbeigeht. Denn von Zivilgesellschaft und Demokratie ist Afghanistan weit entfernt. Fraglich ist, ob eine tribalistisch organisierte, religiös fixierte Gesellschaft sich überhaupt in Richtung westlicher Vorstellungen entwickeln kann.

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