Köhlers Mahnung

Vielen Konservativen sind Horst Köhlers Worte zu homosexuellen „Familien“ übel aufgestoßen. Vor allem in der CSU regte sich zu Recht heftiger Unmut über die Aussage des Bundespräsidenten, Kinder auf das Leben vorzubereiten, könne in ganz unterschiedlichen Strukturen gelingen, „in der Ehe, in nicht ehelichen und auch gleichgeschlechtlichen Familien“. Es ist eine abwegige Vorstellung, daß auch in, wie es heute heißt, „Vater-Vater-Konstellationen“ eine gesunde Entwicklung von Kindern zur vollen menschlichen Reife, auch in Hinblick auf ihre geschlechtliche Identität, möglich sein soll. Dem stehen anthropologische Konstanten entgegen, die das postmoderne Gerede über „metrosexuelle“ Beliebigkeit nicht überspielen kann. Allerdings hat Köhler bei der Tutzinger Evangelischen Akademie klargestellt, daß sein eigenes Leitbild „nach wie vor die Ehe mit Kindern“ sei. Ein anderer wichtiger Punkt der Rede des Bundespräsidenten ist in den Berichten der Medien völlig untergegangen: sein engagiertes Plädoyer für mehr Kinder sowie seine Mahnung in bezug auf die massenhafte Abtreibung. „Die Zahl der Schwangerschaftsabbrüche ist mit rund 130.000 jährlich anhaltend hoch – zu hoch“, sagte Köhler. Angesichts der meterhohen Schweigemauer, die das Thema Abtreibungen umgibt, hat Köhler hier fast ein Tabu gebrochen. Nimmt man die Dunkelziffer hinzu, so wird in Deutschland etwa jede vierte bis fünfte Schwangerschaft durch Abbruch beendet. Auch das ist ein Grund für die demographische Katastrophe.

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