Trendwende

Wenn Würdenträger der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) wieder einmal das Wort „Toleranz“ im Munde führen, schwant manchem Böses. Zu oft wurde damit Mißbrauch betrieben, lediglich menschlich-allzumenschliche Allgemeinplätze repetiert und säkular herumsalbadert. In der Kundgebung „Tolerant aus Glauben“, die gerade von der EKD-Synode verabschiedet wurde, läßt nun jedoch manches ungewohnt Klingende aufhorchen: Da ist die Rede von den Grenzen der Toleranz, von der Ablehnung jeglichen Synkretismus, von der Notwendigkeit eigener Identität und eigenen Profils. Da spricht man von missionarischem Handeln und bekennt: „Eine Kirche, die sich nur trendorientiert verhielte, wäre ein schwankendes Blatt im Winde.“ So weit, so gut. Fraglich bleibt, ob beim höchsten Gremium des deutschen Protestantismus tatsächlich ein Umdenken stattgefunden hat – oder doch nur wieder ein Trend befolgt wird. Jener nämlich, der aus den begeisterten Befürwortern von „Multikulti“ und Teilnehmern am „interreligiösen Dialog“ von einst die wachsende Zahl der Skeptiker gemacht hat. Denn die Ausarbeitung des synodalen Schwerpunktthemas erfolgte just zu dem Zeitpunkt, als der religiöse (islamische) Terrorismus mit dem Mord an Theo van Gogh die liberalen Niederlande erschütterte – und damit jenes naive Gesellschaftsmodell, das von vielen evangelischen Kanzeln und Kathedern über Jahre hinweg gepredigt worden war. Ihren zehn Thesen hätte die EKD einen Satz beifügen können: „Wir haben geirrt!“

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