Klaus-Rüdiger Mai Die Zukunft gestalten wir!

 

„Haltet den Dieb!“

Man wolle sich von den zerstörerischen Kräften trennen, die ihrer „eigenen Selbstdarstellung sowohl Partei als auch Regierung“ opfern, hieß es in dem Offenen Brief, den FPÖ-Chefin Ursula Haubner versandte. Damit ist das Wirken ihres Bruders Jörg Haiders in den letzten drei Jahren trefflich charakterisiert. Doch so war es wohl nicht gemeint: In einem Anfall von politischer Schizophrenie setzt sich Haider selbst an die Spitze des neugegründeten BZÖ (Bündnis Zukunft Österreich), dessen Motto wohl lauten wird: „Haltet den Dieb !“ Parlamentsklub und Koalitionspartner tun vorerst so, als ob sie ihm die ungewohnte Charakterrolle als Retter der Regierung auch tatsächlich abnehmen: „Die Botschaft hör‘ ich wohl, allein mir fehlt der Glaube.“ Spannend ist hingegen, wie sich seine alte Partei verhalten wird. Einzelne Landesgruppen scheinen sich Haider anzuschließen, die Mehrzahl wohl nicht. Das ermöglicht demnächst vielleicht eine Probe aufs Exempel, wie weit die alten Lagerstrukturen der österreichischen Politik noch existieren. Werden sich die Reste des nationalliberalen Lagers in die innere Emigration zurückziehen (und daneben ÖVP wählen), oder werden sich die Blauen – gegen oder nach der BZÖ – neu formieren? Das Ergebnis ist vorerst offen. Ausgeschlossen ist auch nicht, daß Haider demnächst alles wieder ganz anders sieht und so tut, als wäre nichts gewesen. Wenn es schiefgeht, dann war eben bloß wieder sein geheimnisvoller Doppelgänger am Werk.

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