Klaus-Rüdiger Mai Die Zukunft gestalten wir!

 

EU-weites Alkoholverbot unter 18 Jahren?

Unter dem Druck einer empörten Öffentlichkeit hat die britische Regierung Pläne für ein totales Alkoholverbot in Bussen, Bahnen und auf Inlandsflügen zurückgezogen. Damit sollten Reisende besser vor betrunkenen Randalierern geschützt werden. Jetzt plant die Europäische Union die Altersgrenze zur Ausgabe von Bier und Wein von 16 auf 18 Jahre anzuheben. Der Ärger ist vorprogrammiert. Auch wenn ich gegen etwas plädiere, das ich selbst als Jugendlicher ganz selbstverständlich genießen durfte, scheint mir angesichts der alkoholischen Partyexzesse von heute und der beträchtlichen Zahl alkoholbedingter jugendlicher Verkehrstoter eine solche Verschärfung der Gesetze gegen den Jugendalkoholismus notwendig. Wünschenswert sind solche Massnahmen natürlich nicht. Aber wo Elterhaus und Schule permanent ihren Bankrott erklären, Erziehung nur noch als Wissensvermittlung stattfindet, muß der Staat wohl doch in geeigneter Form als „Anstandsdame“ eingreifen. Die Zeiten haben sich geändert. Als ich 16 war, lud der wohl erzogene Jüngling seine Tanzstundendame auf ein Glas Wein ein. Man brachte sie zu Fuß nach hause. Auch in die Disco ging man zu Fuß. Das gesparte Taschengeld reichte dort allenfalls für zwei Bier oder einen Whisky. Heute knallen sich bereits 14jährige batterienweise Alcopops rein bis zur Besinnungslosigkeit, alkoholisiert und motorisiert geht es dann nach hause. Tausende schwänzen als Folge von übermäßigem Alkoholkonsum die Schule, weil diese sie nur anödet. Das darf uns nicht gleichgültig lassen. Selbst mit der von der EU angedrohten Lizenz für den Alkoholverkauf könnte ich mich anfreunden. Aber nur unter einer Bedingung. Die Genehmigung muß unbürokratisch für jeden Gewerbetreibenden zu bekommen sein. Andererseits muß sie aber bei nachgewiesenem Mißbrauch auch ebenso schnell wieder entzogen werden. Sonst nützt es nichts. Mario Scheuermann lebt und arbeitet als Journalist in Hamburg. Er zählt zu den führenden Weinautoren. Internet: www.best-of-wine.com Die 25 EU-Staaten auf Entzug. Davon träumt der besserwissende Brüsseler Vormund. Erst weg mit der Tabakwerbung. Dann Verbot gesundheitsbezogener Werbung bei Lebensmitteln. Nun Kampf dem Alkohol. Nur noch staatliche Verkaufsläden und kein Bier mehr an junge Menschen unter achtzehn. Europa als Erziehungsanstalt, der Bürger als Fürsorgezögling einer fernen Behörde. Welch ein Bild von der Jugend in Europa: ein Haufen haltloser Alkoholiker. Das ist gleichzeitig eine Ohrfeige für die nationalen Regierungen. Auch sie müssen von Brüssel aus an der Hand der EU-Bürokraten geführt werden, weil man in London, Wien, Paris oder Rom mit den Problemen zu Hause offenkundig nicht zurecht kommt. Das ist Regulierungsterror. In Deutschland, dem größten Konsumland unter der EU-Sonne, sinkt der Alkoholverbrauch in der Bevölkerung – und vor allem bei Jugendlichen – seit Jahren kontinuierlich. Mißbrauch mit Alkohol gibt es dort, wo vor allem die sozialen Probleme groß sind – bei Jugendlichen Schulstreß und Elternstreß, Arbeitslosigkeit, Pubertätsdruck ohne ausreichende verständnisvolle Begleitung durch die Eltern. Um das zu erkennen, müßten sich die EU-Beamten allerdings von ihren weichen Ledersesseln erheben und auf den Schulhöfen das tatsächliche Leben der jungen Menschen studieren. Dann kämen sie rasch zu einer anderen Strategie: Wir brauchen nur der Minderheit der Jugendlichen zu helfen – jenen, die in sozialen Schwierigkeiten stecken. Die Jugend in die Sippenhaft bürokratischer Vormundschaft zu nehmen, ist falsch. Wer wissenschaftliche Erkenntnisse ignoriert, wird indessen glauben, sein Glaube von der Verderbtheit der Jugend sei die Lebensrealität. Die Jugend in Europa aber verdient Vertrauen und nicht Mißtrauen. Ihre extreme Mehrheit kann mit Alkohol umgehen. Und sich eine eigene Meinung von Brüssel bilden – bis hin zum Entzug von Europa. Volker Nickel ist Pressesprecher des Zentralverbandes der deutschen Werbewirtschaft (ZAW) e.V. in Berlin.

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