Oskars Orakel

Noch nie in der Geschichte der Bundesrepublik war das Potential für eine neue Partei so groß wie heute“, warnte Ex-SPD-Chef Oskar Lafontaine via Bild seine Genossen. Angesichts der allgemeinen Unzufriedenheit würde eine neue Linkspartei „spielend die Fünf-Prozent-Hürde“ überspringen. Parteienforscher wie Franz Walter von der Uni Göttingen sagen einer aus Gewerkschaftern und enttäuschten SPD-Genossen gebildeten „Wahlalternative Arbeit und soziale Gerechtigkeit“ sogar zehn Prozent voraus. Auch wenn die SPD-dominierte DGB-Führung einer noch zu gründenden Linkspartei keine Hilfe zukommen lassen will – an der Basis könnte das ganz anders aussehen. Frustpotential gibt es zuhauf: Hartz IV, die Diskussion über längere Arbeits- und kürzere Urlaubszeiten ohne Lohnausgleich, die fällige Privatversicherung des Zahnersatzes – und trotzdem vier bis fünf Millionen Arbeitslose. Wenn dann noch Prominente für die Wahlalternative kandidieren, könnte es schon bei den NRW-Landtagswahlen 2005 eng werden – für Regierung oder Opposition. Macht die Linkspartei vor allem der SPD Wähler abspenstig, könnten CDU und FDP profitieren. Sollte sie hingegen zahlreiche Nichtwähler mobilisieren und in den Düsseldorfer Landtag einziehen, könnte Rot-Grün mit deren Verstärkung weiterregieren. Schwieriger wäre dies – wegen der PDS – zur Bundestagswahl 2006. Wenn dem Wahlvolk allerdings die von Union und FDP geplanten – noch drastischeren – sozialen Einschnitte erst einmal bewußt werden, könnte sich der nächste SPD-Kanzler vielleicht sogar auf eine linke Vierer-Koalition stützen.

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