Markus Krall Freiheit oder Untergang

 

Braucht Deutschland Olympia?

Deutschland braucht Olympia, weil Olympia Deutschland gut tut. Ich spiele damit auf den Slogan „Olympia tut Deutschland gut“ an, den das Nationale Olympische Komitee (NOK) für Deutschland vom Deutschen Sportbund übernommen hat, der im April des Jahres 2002 in Berlin gemeinsam mit dem Bundespräsidenten Johannes Rau seine Kampagne „Sport tut Deutschland gut“ gestartet hatte. Daß es sich dabei nicht um leere Worthülsen handelt, zeigte sich bereits auf der ersten Wegstrecke der deutschen Bewerbung. Fünf nationale Bewerberstädte und Regionen präsentierten vorzügliche, olympiareife Konzepte. Und nicht nur das. Es ging ein Ruck durch die Sportlandschaft. Der olympische Gedanke hat offenbar Berge versetzt in unserem Land. Wir spüren dies im Schulsport, wo die drei Pflichtstunden pro Woche als Minimum auch bundesweit wieder ins Blickfeld rücken. Die gesamte Nachwuchsförderung hat bis hin zu den Eliteschulen ebenso einen Schub bekommen wie das Bemühen um die Verbesserung der sportlichen Infrastruktur. Dies alles gilt es zu erhalten und die vorhandenen Kräfte zu bündeln, nachdem sich die Region Leipzig und das Segelrevier Rostock als die deutschen Bewerber durchgesetzt haben. Einerseits bietet sich nun die einmalige Chance, beim Aufschwung Ost neue Akzente zu setzen. Andererseits gilt es aber auch, alles Mögliche zu tun, um auf dem internationalen Parkett für Leipzig zu werben, das im Sport weltweit einen hervorragenden Ruf genießt. Ich fordere einen geschlossenen Rückhalt durch die Politik, die Wirtschaft und den Sport für unsere Olympiabewerbung. Im Ausland muß für Olympia in Deutschland geworben werden. Da ist der Manager ebenso aufgerufen wie die Marathonläuferin oder der Bundesaußenminister. Olympia ist gerade in der jetzigen wirtschaftlichen und gesellschaftspolitischen Situation eine Chance für Deutschland, die es zu nutzen gilt. Manfred von Richthofen ist Präsident des Deutschen Sportbundes (DSB). Jede Großveranstaltung, und dazu zählt natürlich besonders die Durchführung von Olympischen Spielen, verursacht Belastungen bis hin zu Zerstörungen von Natur und Umwelt. So hat der Deutsche Naturschutz Ring (DNR) bei einer internen Analyse über die voraussichtlichen Umweltauswirkungen eine negative Umweltbilanz ermittelt. Zwar haben dabei die erstmals geplanten Kohlendioxid-neutralen Spiele in Hamburg imponiert. Die siegreiche Bewerberin Leipzig kann auch durch die Sanierung brachliegender Flächen teilweise die Umweltqualität dieser Flächen verbessern. Gleichzeitig ist aber die Nachnutzung des neu zu bauenden Olympischen Dorfes bei der großen Zahl leerstehender Wohnungen mehr als problematisch. Düsseldorf hätte zwar durch die Nutzung vorhandener Sportanlagen im gesamten Rhein-Ruhr Raum kaum neuen Flächenbedarf, dafür aber durch die weiten Entfernungen ein hohes Verkehrsaufkommen zu beklagen. Als problematisch muß auch eine mögliche Verknüpfung der Olympiabewerbung mit anderen Großprojekten gesehen werden, wie etwa in Stuttgart mit dem Flughafenausbau und dem Bau der Fildermesse. Dies alles läuft dem Nachhaltigkeitsziel, den Flächenverbrauch zu reduzieren, entgegen. Es bleibt stets eine große Herausforderung, die vom Olympischen Komitee beschlossene gleichberechtigte dritte Säule „Umweltschutz“ auch tatsächlich zu realisieren. Nachdem der DNR 1998 bei einer Tagung des EOC in Rom den Umweltschutz als dritte Säule gefordert hat, muß er jetzt zum Prüfstein werden. Die Vergabe der Olympischen Spiele 2012 nach Leipzig würde zweifellos einen großen Schub für die regionale Wirtschaftsentwicklung bedeuten. Aber aus Sicht des Natur- und Umweltschutzes ist die Bilanz negativ. Hubert Weinzierl ist Präsident des Deutschen Naturschutzringes (DNR) in Bonn.

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