Anne Will: Studie wirft Talkshows Einseitigkeit vor
Anne Will: Studie wirft Talkshows Einseitigkeit vor Foto: picture alliance/Eventpress
Öffentlich-rechtliche Sender

Studie: Immer die gleichen Journalisten und Politiker in Talkshows

BERLIN. Gesprächsrunden im öffentlich-rechtlichen Rundfunk laufen einer Studie zufolge immer nach ähnlichem Muster und mit ähnlichen Gästen ab. Relevante Gruppen seien in den ARD-Sendungen „Anne Will“, „Maischberger. Die Woche“ und „Hart aber fair“ sowie in dem ZDF-Format „Maybritt Illner“ kaum vor, hat eine Erhebung der Denkfabrik „Das progressive Zentrum“ ergeben, über die die Süddeutsche Zeitung berichtet. Auch bei der Sendung von Markus Lanz und der „Phoenix Runde“ sei eine Cliquenbildung in den Talkrunden zu beobachten.

„Repräsentation ist ein zentraler Funktionsmechanismus unserer demokratischen Ordnung“, hieß es demnach in der Studie. Die Sendungen würden einen medialen Diskurs vertreten, in dem sich eine zunehmende Anzahl von Zusehern nicht mehr repräsentiert fühle. Auch deshalb steige die Aggressivität gegen Medienvertreter. Gleichzeitig schaue ein Millionenpublikum regelmäßig die Talkshows. Während der Corona-Pandemie sei die Reichweite erneut um bis zu 30 Prozent gestiegen.

In der Untersuchung wurden 1.208 Sendungen über einen Zeitraum von mehr als drei Jahren ausgewertet. Auch die Diskussion um den Umgang mit dem Corona-Virus würde berücksichtigt. Laut den Autoren finden sich in der Studie Anhaltspunkte für eine Krise der Repräsentation und eine zeitgenössische Demokratieherausforderung. Zwei von drei Gästen in den Sendungen kämen aus Politik und Medien, 70 Prozent seien Politiker auf Bundesebene.

Neue Gäste seien „Betriebsrisiko“

Die Standardbesetzung seien Bundespolitiker und Hauptstadtjournalisten, als Beispiel nannte die Studie laut Süddeutsche Zeitung Norbert Röttgen (CDU), Jürgen Trittin (Grüne) und Sevim Dağdelen (Linkspartei). Der Grund dafür sei, daß neue Gäste sich in den Sendungen noch nicht bewährt hätten und für die Veranstalter ein Risiko darstellten.

„Die Standardbesetzung aus Politik plus Journalismus, wie auch die permanente Wiederkehr derselben Köpfe aus diesen zwei Bereichen, verengen eben diese Meinungsvielfalt“, hieß es demnach in der Studie. Auch lasse sie Chancen für mehr Bürgernähe ungenutzt. Das führe auch zu Mißtrauen in das politische System insgesamt.

AfD-Chef Jörg Meuthen hatte im April den öffentlich-rechtlichen Sendern vorgeworfen, Vertreter seiner Partei auszugrenzen. Gemäß einer Auswertung der AfD waren ab dem 15. März in den fünf großen Formaten wie Anne Will oder Maybritt Illner von 71 geladenen Gästen 80 Prozent Vertreter der Koalitionsparteien, CDU/CSU und SPD. Von den Oppositionsparteien sei die FDP am häufigsten zu sehen gewesen, die AfD hingegen kein einziges Mal, obwohl sie Oppositionsführer sei. Grünen-Chefin Annalena Baerbock (Grüne) war 2019 häufigster Gast in Polit-Talkshows. (jv)

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