Sascha Adameks zeichnet in seinem Buch „Unterwanderung – Der Politische Islam weiter auf dem Vormarsch“ das Bild einer Verschwörung globaler islamistischer Akteure mit dem Ziel, die westlichen, im konkreten Fall deutschen, Institutionen systematisch zu infiltrieren, um die Gesellschaft langfristig nach einer konservativen Auslegung der Scharia umzugestalten. Dabei geht es dem Autor darum, zu dokumentieren, wie der politische Islam gezielt und strategisch liberale Institutionen nutzt und diese gleichzeitig über seine wahren Ziele täuscht.
Adamek hat viele Jahre journalistisch für die öffentlich-rechtlichen ARD gearbeitet. Er beschreibt den Prozess der Islamisierung als einen „Dschihad um die Köpfe“, der bereits in Kitas, Schulen und Universitäten beginnt. Der legalistische Islamismus agiere dabei vordergründig gewaltfrei und dialogbereit, nutze aber die Strukturen des demokratischen Rechtsstaates, um diesen von innen heraus zu schwächen. Besonders scharf kritisiert Adamek die Rolle einflussreicher Politiker, vornehmlich aus dem Spektrum von SPD und Grünen, denen er eine Mischung aus Naivität und „woker“ Ideologie vorwirft. Er prägt hierfür das Bild einer „gezielten Umgarnung“ politischer Eliten, der eine freiwillige und ideologiegetriebene Unterwerfung derselben spiegelbildlich gegenüberstehe.
Ein wesentliches Verdienst des Buches ist dabei die detaillierte Recherche von Geldströmen und personellen Verflechtungen. Adamek zeigt, wie Millionen an deutschen Steuergeldern an Organisationen fließen, die dem Netzwerk der Muslimbruderschaft oder dem türkischen Staatsislam (Ditib) nahestehen oder zumindest deren Weltsicht teilen.
Methodische Schwächen trotz Faktenfülle

Doch bei aller Faktenfülle weist das Buch auch methodische Schwächen auf. Nun ist Dramatisierung ein Werkzeug des Journalismus, aber Adamek unternimmt hier nicht weniger als eine Meistererzählung einer globalen Verschwörung, deren angeführte Belege sich aber eben auch anders und weniger verschwörungstheoretisch lesen lassen und bei denen dem Autor bisweilen seine möglicherweise nur kursorische Kenntnis der islamischen Ideengeschichte im Wege steht. Im Kern seiner Verschwörungserzählung stehen die Muslimbrüder, deren Ideologie den Kern des internationalen politischen Islam bilde und das verbindende Element zu vielen der beschriebenen islamischen (Moschee-)Vereine in Deutschland darstelle.
Doch zunächst müssen wir uns mit dem Begriff des politischen Islam beschäftigen, den Adamek nicht erfunden hat und der in der politischen Diskussion und auch in den Verfassungsschutzberichten an zentraler Stelle auftaucht – was ihn aber nicht zu einem sinnvolleren Analyseinstrument macht. Hier sollte zunächst die Frage beantwortet werden, ob eine Religion überhaupt „Privatsache“ sein kann. Wenn der eigene Glaube mehr ist als eine soziale Gewohnheit, konstituiert er ein Set an Werten und Normen, die der Gläubige für sich selbst, wahrscheinlich aber auch in seinem sozialen Umfeld umgesetzt sehen möchte.
Das gilt übrigens auch für jede andere Ideologie wie beispielsweise die „Wokeness“. Während letztere – also die politische „Wokeness“ – ihr politisches Vehikel unter anderem in der Partei Bündnis90/Die Grünen hat, findet das politische Christentum, zumindest in der Theorie, seinen Ausdruck in zwei Parteien, die das „C“ sogar im Namen tragen. Die Frage ist also nicht, ob aus einer religiösen oder ideologischen Position heraus Politik gemacht wird, das ist immer der Fall, sondern ob die Ziele mit dem Grundgesetz, zumindest aber mit dessen Kernbestand vereinbar sind. Festzuhalten ist aber das es in unserer Gesellschaftsordnung grundsätzlich erlaubt ist, die eigenen, auch aus der Religion abgeleiteten Werte, in einem demokratischen anzubieten und dafür Unterstützung bei den Wählern zu suchen.
Islamverbände müssen als Lobbyisten verstanden werden
Was nun die Muslimbruderschaft angeht, so hat diese niemals eine eigenständige Ideologie entwickelt, sondern ist eine Bewegung zur persönlichen und später politischen Umsetzung salafistischer Überzeugungen. Insofern bedarf es keiner globalen Verschwörung, sondern lediglich der gegenseitigen Unterstützung von Akteuren (Ländern, Vereinen und Finanziers), die eine ähnliche konservative Auslegung des Islam für richtig halten und deren Werte weltweit durchgesetzt sehen wollen.

Wessen es zu deren Erfolg aber auch bedarf, und hier kommen wir wieder zu den positiven Aspekten von Adameks Buch, sind Verbündete, die aus ideologischer Verblendung Politik unterstützen, die eigentlich ihren Interessen entgegensteht. Und natürlich nutzten geschickte Lobbyisten – und als solche müssen die Islamverbände verstanden werden – jede Möglichkeit, solche Verbündeten zu finden und diesen nach dem Mund zu reden. Um diesen Mechanismus zu verstehen, muss man nicht die islamische Idee der Taqiya bemühen – ein Blick in die Wahlversprechen unserer Parteien genügt ebenfalls.
Das Ausnutzen der woken Formel des „antimuslimischen Rassismus“
Ein Verdienst des Buches liegt in der klaren Benennung von Missständen wie der politischen Blindheit oder übertriebenen politischen Korrektheit und der Angst im Hinblick auf den Islam, Missstände anzusprechen, die in jedem anderen Kontext, gerade bei den Vertretern der „Wokeness“, für einen Aufschrei sorgen würden. Dies betrifft inzwischen auch den akademischen Bereich, in dem der Vorwurf des „antimuslimischen Rassismus“ immer mehr zu einem Schutzschild gegen jedwede Form der Kritik an islamischen Glaubensüberzeugungen oder bestimmten Arten der Auslegung derselben genutzt wird.
Sascha Adameks „Unterwanderung“ legt den Finger in die Wunde einer oft blinden Förderpolitik und zeigt die Bruchstellen auf, die die Ziele des legalistischen Islamismus von unserer Idee einer offenen Gesellschaft trennen. Die akribisch aufgelisteten Beispiele von Intransparenz und politischer Einflussnahme verdienen eine breite gesellschaftliche Debatte. Für Leser, die einen tiefen Einblick in die Netzwerke des politischen Islam suchen, ist das Buch ein guter Ausgangspunkt – man sollte es aber mit der nötigen kritischen Distanz gegenüber seinem bisweilen verschwörungstheoretischen Grundton lesen. Auch ganz ohne Verschwörung handelt es sich um ein wichtiges Thema.





