SCHWERIN. Der Dokumentarfilm „Kommunist“ über den letzten DDR-Staatsratsvorsitzenden und SED-Chef Egon Krenz hat für Empörung gesorgt, nachdem er beim Filmkunstfest in Schwerin Premiere hatte. 250.000 politische Gefangene und die Toten an der Mauer würden damit „verhöhnt“.
Besondere Kritik ruft hervor, dass die RBB-Produktion mit insgesamt 130.000 Euro Steuergeldern gefördert wurde. 60.000 Euro kommen vom Filmförderfonds des Kulturstaatsministers Wolfram Weimer. Weitere 70.000 Euro steuerte die Filmförderung des rot-rot regierten Bundeslandes Mecklenburg-Vorpommern bei.
„Geschöntes Bild von der DDR“
Der mecklenburg-vorpommersche Landesbeauftragte für die Aufarbeitung der SED-Diktatur, Burkhard Bley, warf Regisseur Lutz Pehnert laut NDR vor, „bewusst ein geschöntes Bild von der DDR“ zu zeigen, historische Fakten zu unterschlagen und „sich manipulativ der Bildsprache der DDR-Propaganda“ zu bedienen.

Der Film sei „misslungen“, liefere keinen „differenzierten Beitrag zur Aufarbeitung der SED-Diktatur“ und verhöhne „hunderte Todesopfer des unmenschlichen Grenzregimes und ihre Angehörigen“.
„Es kann nicht Aufgabe staatlicher Förderung sein, die Legenden ehemaliger SED-Kader mit Steuergeld aufzupolieren“, kritisierte die kulturpolitische Sprecherin der CDU-Landtagsfraktion, Katy Hoffmeister. Der Film vermittle „jungen Menschen ein gefährlich verzerrtes Bild der DDR“.
123 Minuten Krenz pur
Gegenüber dem NDR rechtfertigte Regisseur Pehnert seine Herangehensweise: Er habe keine journalistische Produktion, sondern ein filmisches Essay machen wollen. Außerdem habe er kein Interesse an einem weiteren Aufarbeitungsfilm gehabt, sondern Krenz in seiner Widersprüchlichkeit porträtieren wollen.
Pehnert ergänzte: „Ein Dokumentarfilm leistet sich eine andere Herangehensweise. Und das schließt natürlich ein, dass man nicht alle Aspekte, die man vielleicht von einem solchen Thema erwartet, erfüllen kann.“ Allerdings ist das Werk 123 Minuten lang.

Das von der SPD-Politikerin Bettina Martin geführte Kulturministerium erklärte, eine kritische Auseinandersetzung mit dem Film sei wichtig. „Ob ein Stoff eine Förderung erfährt, obliegt einem staatlich unabhängigen, fachkundigen Vergabegremium.“
Egon Krenz ist heute 89 Jahre alt. Der Film soll am 11. Juni 2026 in die deutschen Kinos kommen. (fh)


