FRANKFURT AM MAIN. Nach massiver Kritik an seinen Aussagen zu höheren Spritpreisen und zur CO₂-Bepreisung (JF berichtete) ist der Verkehrspräsident des ADAC, Gerhard Hillebrand, von seinem Amt zurückgetreten. Der ADAC gab am Montag bekannt, daß Hillebrand persönliche Konsequenzen aus der entstandenen Situation gezogen habe. Zuerst hatte die Bild-Zeitung darüber berichtet.
Auslöser war ein Interview in der Neuen Osnabrücker Zeitung, in dem Hillebrand höhere Kraftstoffpreise verteidigt hatte. Die CO₂-Bepreisung sei „ein richtiges Instrument, um die Klimaschutzziele zu erreichen“, sagte er. „Die Leute brauchen den Anreiz, um auf klimaschonende Alternativen zum Diesel und Benziner umzusteigen.“ Auch von einer Rücknahme des Verbrenner-Aus riet Hillebrand ab. „Davor kann ich nur warnen“, erklärte er. Europa müsse „an ehrgeizigen CO₂-Minderungszielen festhalten, wir müssen die Erderwärmung begrenzen“.
60.000 Kündigungen gehen beim ADAC ein
Die Äußerungen lösten scharfe Reaktionen unter den Mitgliedern aus. Nach Angaben der Bild kündigten in den vergangenen Wochen rund 60.000 Autofahrer ihre Mitgliedschaft. Der Verein sprach von zahlreichen Beschwerden und erheblichen Irritationen.
Hillebrand erklärte, er bedauere, „daß meine Äußerungen Mitglieder verunsichert und verärgert sowie Glaubwürdigkeit gekostet haben“. Er sei zu der Überzeugung gekommen, „daß es im Interesse des ADAC und seiner Glaubwürdigkeit richtig ist, daraus persönliche Konsequenzen zu ziehen“.
Der ADAC distanzierte sich zugleich von den Interviewaussagen. Eine Sprecherin sagte der Zeitung, der Verein setze sich „gegen jede weitere Belastung ohne sozialen Ausgleich“ ein. Der Auftrag laute weiterhin „bezahlbare Mobilität für alle“.
Die Zuständigkeiten des Verkehrspräsidenten übernimmt kommissarisch ADAC-Technikpräsident Karsten Schulze. ADAC-Präsident Christian Reinicke würdigte den Rücktritt und dankte Hillebrand für dessen Einsatz für den Automobilclub. (sv)





