DAVOS. Nur wenige Stunden nach seiner 80minütigen Rede beim Weltwirtschaftsforum in Davos war die Kuh vom Eis. US-Präsident Donald Trump verkündete eine Einigung im Streit um Grönland. Es gebe eine Rahmenvereinbarung für ein Abkommen über die Zukunft der Arktis-Insel mit ihren 56.000 Einwohnern. Er werde keine Strafzölle, die er zuvor noch angedroht hatte, verhängen. Details nannte Trump nicht.
Doch nun wird bekannt: Dieses Gerüst bleibt deutlich hinter den Maximalforderungen zurück, die der US-Präsident vorher aufgestellt hatte: Kauf und Annexion Grönlands. Von einer ebenfalls angedrohten Invasion war er schon in seiner Rede abgerückt. Dennoch sagte er: „Alles, was die USA verlangen, ist Grönland.“ (die JF berichtete.) Nun ist die Krise vorerst entschärft.
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Mit Nato-Generalsekretär Mark Rutte hatte sich Trump auf einen Deal geeinigt. Er selbst sagte, die Details des daraus entstehenden Abkommens würden Vizepräsident JD Vance, Außenminister Marco Rubio und der Sondergesandte Steve Witkoff für die USA verhandeln.
Das setzte Trump in der Grönland-Frage durch
Wichtig für die Europäer: Die Souveränität Dänemarks bleibt unangetastet. Grönland wird weiterhin dem skandinavischen Land gehören. Trotzdem kann Trump einigermaßen sein Gesicht wahren. Er machte, wie internationale Medien berichten, drei Punkte:
Erstens: Das alte Stationierungsabkommen von 1951 wird neu verhandelt. Explizit enthalten ist die Zusage, daß die USA einen „Golden Dome“ – eine riesige Raketenabwehranlage – auf Grönland bauen dürfen.
Zweitens: Die Europäer sichern Amerika darüber hinaus ein Mitspracherecht bei der Investitionskontrolle zu. Die USA können künftig ein Veto einlegen, wenn Nicht-Nato-Staaten – dabei geht es vor allem um Rußland und China – versuchen, auf Grönland Rohstoffe abzubauen oder Infrastruktur zu kaufen.
Drittens: Die europäischen Nato-Partner verpflichten sich zu einem stärkeren militärischen Engagement in der Arktis.
Sorge vor den Zwischenwahlen?
Trump hat zwar sein großes Ziel verfehlt, uneingeschränkt über Grönland verfügen zu können. Aber die USA haben nun mehr Sicherheitsgarantien als vorher. Der Präsident verkauft die Einigung als „Vertrag für die Ewigkeit“ („Forever-Deal“), und das sei besser als jeder befristete Pachtvertrag. Fraglich ist, ob dafür die wochenlangen Drohgebärden nötig gewesen wären.
Der US-Präsident schreckte in letzter Sekunde vor einer Eskalation zurück – womöglich auch, weil sich die Europäer entschlossen und entsetzt zugleich zeigten. Die Ankündigung eines EU-Sondergipfels und der Automatismus von für die amerikanische Wirtschaft schmerzhaften Gegenzöllen haben offenbar ihre Wirkung nicht verfehlt.

Trump steht vor den Zwischenwahlen, und da wäre ein wirtschaftlicher Einbruch kein gutes Argument gewesen, die republikanischen Kandidaten zu wählen. Ein von demokratischen Abgeordneten dominierter Kongreß könnte ihm die zweite Hälfte seiner Amtszeit verhageln.
Ob die Geschichte damit wirklich zu Ende ist, bleibt unklar. Denn in einem Interview mit dem amerikanischen TV-Sender CNBC sprach er davon, daß sich die Rahmenvereinbarung auch auf den Zugriff der USA auf die auf Grönland vorhandenen Rohstoffvorkommen erstrecke. Doch dies ist offensichtlich nicht der Fall. (fh)





