ALGIER/PARIS. Der algerische Präsident Abdelmadjid Tebboune hat ein Programm für im Ausland lebende Algerier angekündigt, das es ihnen erleichtern soll, in ihr Heimatland zurückzukehren. Vor allem junge Algerier, die sich „in einer prekären und irregulären Situation im Ausland“ befinden – etwa als illegale Migranten – sollen leicht und legal in das nordafrikanische Land heimkehren können, berichtet die französische Zeitung Le Figaro.
Viele junge Algerier befänden sich „heute weit weg von ihrer Heimat, ihren Angehörigen und Freunden, leiden unter extremer Armut und Elend und sind gezwungen, demütigende Arbeiten zu verrichten“ Einige algerische Migranten würden „gegen ihr Land instrumentalisiert werden“, indem sie etwa von ausländischen Geheimdiensten angeworben würden, hieß es von seiten der Regierung. Auch würden Mafiagruppen diese Migranten rekrutieren – „was ihren Ruf sowohl in dem Land, in dem sie sich befinden, als auch dem Land, das sie verlassen haben, schädigen könnte“.
Die legale Rückkehr soll allerdings Bedingungen unterliegen: Die Rückkehrer dürfen in Algerien etwa keinerlei Straftaten begehen. Wer im Ausland schwer kriminell geworden ist, „Täter von Gewaltverbrechen, Drogen- oder Waffenhandel“ sowie „Personen, die mit ausländischen Sicherheitsdiensten zusammengearbeitet haben, um Algerien zu schaden“, sind vom Rückkehrprogramm ausgeschlossen.
Französische Regierung klagt über algerische Konsulate
Wie das Rückkehrprogramm genau aussehen soll, wurde von der algerischen Regierung bislang nicht ausgeführt. Eine entscheidende Rolle sollen aber algerische Konsulate im Ausland spielen.
In Frankreich wurde die Ankündigung unter anderem von der algerischen Interessenvertretungsoganisation Mouvement dynamique des Algériens en France begrüßt. Algerien habe sich „für die Würde und eine betreute Rückkehr“ entschieden, „statt seine Kinder im Stich zu lassen“.
In den vergangenen Monaten hatte die französische Regierung den algerischen Konsulaten mehrfach vorgeworfen, keine Konsularausweise mehr auszustellen, die für die Abschiebung von algerischen Staatsangehörigen unerläßlich sind. Ohne das entsprechende Dokument sind Abschiebungen nämlich rechtlich blockiert. Es sei daher zu erwarten, daß die französische Regierung die Ankündigung der algerischen Regierung zum Anlaß für eine Zusammenarbeit nehmen werde, teilte eine anonyme Quelle Le Figaro mit.
Algerier sind häufig straffällig
Algerier im Land bilden die größte Gruppe unter ausreisepflichtigen Migranten. Zudem machen sie knapp 20 Prozent der Ausländer aus, die in französischen Gefängnissen und Verwaltungshaftanstalten sitzen. Generell sind Migranten aus Nordafrika bei Gewaltverbrechen stark überrepräsentiert (JF berichtete).
Zuletzt war die Beziehung zwischen beiden Staaten angespannt gewesen. Hintergrund dafür war zum einen die im November 2024 erfolgte Verhaftung und darauffolgende knapp einjährige Inhaftierung des algerisch-französischen Schriftstellers Boualem Sansal durch die algerische Polizei. Im vergangenen Juli war zudem der französische Sportjournalist Christophe Gleizes durch ein algerisches Gericht zu einer siebenjährigen Haftstrafe verurteilt worden, weil er mit Anhängern eines Fußballclubs korrespondiert hatte, der einer Unabhängigkeitsbewegung des Volkes der Kabylen nahesteht. (lb)





