BERLIN. Das Auswärtige Amt hat die Januar-Ausgabe 2026 seines Mitarbeitermagazins internAA nachträglich verändert. Ein satirisches Gedicht mit dem Titel Ken & Barbie über die früheren Grünen-Minister Annalena Baerbock und Robert Habeck wurde aus der digitalen Fassung des Heftes entfernt und durch einen Entschuldigungstext ersetzt.
In der nun verbreiteten Version heißt es, auf Seite 9 habe ursprünglich ein Gedicht gestanden. Dessen Veröffentlichung sei ein „unschöner Fehler“ gewesen. Der Text sei erschienen, obwohl die Redaktion bereits zuvor entschieden habe, ihn nicht zu veröffentlichen. Der JUNGEN FREIHEIT liegt die unzensierte Ausgabe vor.
Gleichstellungsbeauftragte kritisierte Gedicht
Das Gedicht nahm die Politik und das öffentliche Auftreten der beiden ehemaligen Minister in Reimform aufs Korn. So hieß es etwa: „Heizung aus, Pullover an, selbst gestrickt, von Mann zu Mann“. An anderer Stelle wird mit Blick auf die frühere Außenministerin gedichtet: „Mit Hochglanzschminke um die Welt, das Haar immer perfekt gewellt, Hochglanzreden, ohne Geschick, hatte die Menschen nicht mehr im Blick“. Auch die sogenannte feministische Außenpolitik wird verspottet: „Die Außenwelten, feministisch gedacht, die Welt zu retten, doch nicht jeder hat gelacht“.

Nach dem Erscheinen des Gedichts kam es zu Beschwerden aus dem Haus. Auch die Gleichstellungsbeauftragte des Auswärtigen Amtes wandte sich schriftlich an die Belegschaft. In ihrem Schreiben kritisierte sie, der Text reduziere Frauen „auf Äußerlichkeiten“ und bediene „sexistische und misogyne Narrative“. Zudem erklärte sie, die internAA sei „kein Ort für politische Meinungsäußerung“ und nicht für die „Diffamierung ehemaliger Regierungsmitglieder“ geeignet.
Weiter heißt es, man müsse sich fragen, „ob wir unter dem Deckmantel der Kunstfreiheit wirklich alles veröffentlichen müssen“. Redaktionelle Verantwortung bedeute auch, „Grenzen zu ziehen, wenn Inhalte den eigenen Grundsätzen widersprechen“.
Auswärtiges Amt weicht Fragen der JF aus
Nach JF-Informationen war über das Gedicht bereits Monate zuvor beraten worden. Trotz bestehender Vorbehalte gelangte der Text in die Druckfassung der Januar-Ausgabe. Erst nach der Veröffentlichung auf dem internen Server wurde die Streichung beschlossen.
Auf mehrere konkrete Fragen teilte die Pressestelle des Auswärtigen Amtes der JF lediglich mit, daß internAA „ein rein internes Magazin von Angehörigen des Auswärtigen Dienstes für Angehörige des Auswärtigen Dienstes“ sei. Die Redaktion treffe Entscheidungen über Inhalte unabhängig. Zu den Umständen der nachträglichen Änderung äußerte sich das Ministerium nicht. (sv)





