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„Wismut AG“: Uran für Stalins Atombomben

„Wismut AG“: Uran für Stalins Atombomben

„Wismut AG“: Uran für Stalins Atombomben

Gelände der Wismut AG in Zwickau: Uran für Stalins Atombombe sollte aus Deutschland kommen (Archivbild) Foto: picture-alliance/ ZB | Wolfgang Thieme
Gelände der Wismut AG in Zwickau: Uran für Stalins Atombombe sollte aus Deutschland kommen (Archivbild) Foto: picture-alliance/ ZB | Wolfgang Thieme
Gelände der Wismut AG in Zwickau: Uran für Stalins Atombombe sollte aus Deutschland kommen (Archivbild) Foto: picture-alliance/ ZB | Wolfgang Thieme
„Wismut AG“
 

Uran für Stalins Atombomben

1947 gründeten die Sowjets die „Wismut AG“ in ihrer Besatzungszone. Dabei ging es dem Kreml darum, Uran für die Atombombe von Diktatur Stalin zu gewinnen. Mit den Spätfolgen muß sich seit der Wende die Bundesrepublik auseinandersetzen.
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Am 28. September 1942 verabschiedete das Staatliche Verteidigungskomitee der UdSSR unter dem Vorsitz von Stalin die Direktive Nr. 2352. Damit startete die Sowjetunion ihr Atombombenprogramm, welches dann am 29. August 1949 in der erfolgreichen Zündung der RDS-1 gipfelte. Dabei litt das Projekt zunächst unter einem gravierenden Mangel an Uran: Über eigene Uranbergwerke verfügte Moskau zu dieser Zeit nicht – und der Versuch, durch die Installierung eines sowjethörigen Marionettenregimes an die Uranvorkommen in der nordwestchinesischen Provinz Xinjiang zu gelangen, war gescheitert. Die Situation besserte sich erst mit dem Sieg über das Deutsche Reich. Zum einen konnten Spezialkommandos in Neustadt-Glewe über hundert Tonnen Uranoxid erbeuten, das aus Belgisch-Kongo stammte, zum anderen hatte die UdSSR nun Zugriff auf die schon seit dem 19. Jahrhundert bekannten Uranlagerstätten im sächsischen und tschechischen Teil des Erzgebirges.

Zu deren Ausbeutung schloß Moskau entsprechende Verträge mit der Tschechoslowakei und ordnete darüber hinaus im September 1945 die Aufstellung der „Sächsischen Erzsuchgruppe“ unter der Aufsicht der 9. Verwaltung des UdSSR-Innenministeriums an. Diese Einheit wiederum wurde im April 1946 in „Sächsische Gewinnungs- und Erkundungsgruppe“ umbenannt, nachdem sie im Monat zuvor in ihrem Abschlußgutachten die unverzügliche Aufnahme der Uran-Förderung in den Revieren von Johanngeorgenstadt und Schneeberg empfohlen hatte.

Bis 1991 wurden 216.300 Tonnen Uran abgebaut

Dem folgte der Ministerratsbeschluß Nr. 9372 vom 29. Juli 1946 bezüglich der Bildung der Sächsischen Bergbauverwaltung des sowjetischen Ministeriums des Innern, wobei deren Tarnname nun „Wismut“ lautete. Der nächste Schritt bestand dann in der Gründung der Staatlichen Aktiengesellschaft der Buntmetallindustrie „Wismut“ mit Sitz in Aue. Die erfolgte am 4. Juni 1947. Erster Generaldirektor des Unternehmens wurde der sowjetische Generalmajor Michail Malzew, unter dessen Leitung die Wismut zum größten Uranproduzenten des Ostblocks avancierte: 1950 lieferte das Unternehmen bereits schon 1.224 Tonnen Uran in die Sowjetunion.

Zum Jahreswechsel 1953/54 erfolgte die Umwandlung der Wismut AG in die Sowjetisch-Deutsche Aktiengesellschaft (SDAG) Wismut, welche bis 1991 existierte. Insgesamt erhielt die UdSSR 216.300 Tonnen Uran aus Sachsen und dem angrenzenden Thüringen, bevor ihre Anteile an dem Unternehmen im Dezember 1991 an die Bundesrepublik übergingen. Seitdem kümmert sich Deutschland um den Rückbau der Förder- und Aufbereitungsanlagen sowie die Beseitigung der Umweltschäden im Bereich der etwa fünfzig Wismut-Standorte. All dies kostete den hiesigen Steuerzahler bislang um die sieben Milliarden Euro, wobei die Arbeiten aber keineswegs schon abgeschlossen sind.

JF 23/22

Gelände der Wismut AG in Zwickau: Uran für Stalins Atombombe sollte aus Deutschland kommen (Archivbild) Foto: picture-alliance/ ZB | Wolfgang Thieme
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