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Hohenzollerndebatte: Wenn Historiker sich zu „Liebedienern“ der Politik machen

Hohenzollerndebatte: Wenn Historiker sich zu „Liebedienern“ der Politik machen

Hohenzollerndebatte: Wenn Historiker sich zu „Liebedienern“ der Politik machen

Mittelalterliche Burg Hohenzollern von Zeller-Horn aus gesehen
Mittelalterliche Burg Hohenzollern von Zeller-Horn aus gesehen
Burg Hohenzollern von Zeller-Horn aus gesehen Foto: picture alliance / Panther Media | Thomas Koschnick
Hohenzollerndebatte
 

Wenn Historiker sich zu „Liebedienern“ der Politik machen

Einfach nur „die Debatte darstellen“, so simpel begründete der Historiker Frank-Lothar Kroll (Chemnitz) den Zweck des am Montag in Berlin vorgestellten Sammelbandes zur „Hohenzollerndebatte“. Angestoßen wurde die in Feuilletons und verschiedenen Monographien seit Monaten lebhaft diskutierte Frage durch die vor einigen Jahren geltend gemachten Entschädigungsansprüche des Hauses Hohenzollern gegen die von den Sowjets nach 1945 durchgesetzten Enteignungen.

Diese grundsätzlich juristische Frage hat dadurch sofort eine geschichtspolitische Aufladung erhalten, indem laut rechtlicher Definition eine Restitution nur erfolgen kann, wenn die Entschädigten dem nationalsozialistischen System nicht „erheblichen Vorschub“ geleistet haben.

Daß besonders in den Jahren 1932 und 1933 als maßgebliche Figur des Hauses Hohenzollern Kronprinz Wilhelm, Sohn des ehemaligen Monarchen, sich den Nationalsozialisten teilweise „in peinlicher Weise“ angedient hatte, darüber gab es auf bei der Buchvorstellung mit Kroll, dem Juristen Christian Hillgruber (Bonn) und den Historikern Peter Brandt (Hagen) und Michael Wolffsohn (zugeschaltet aus München) keinen Dissens.

„Unheilsfigur Hindenburg“

Frank-Lothar Kroll / Christian Hillgruber / Michael Wolffsohn:
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Letztlich harrt allerdings die Frage einer Beurteilung, inwieweit der noch während der Regentschaft seines Vaters wegen seiner Lebensweise als „Windhund“ verspottete, spätestens nach der Flucht 1918 weitgehende kompromittierte Kronprinz Wilhelm überhaupt in der Lage gewesen sein konnte, als „politisches Leichtgewicht“ der Machterlangung der Nationalsozialisten „erheblichen Vorschub“ zu leisten.

Laut Kroll ist diese Frage leicht zu beantworten, anders als die „Unheilsfigur Hindenburg“ sei der Kronprinz über die Rolle einer „Randfigur“ nicht hinausgekommen. Und Brandt konstatierte, daß selbst härteste Kritiker des NS-verstrickten Kronprinzen wie der Historiker Stephan Malinowski ihr Urteil mittlerweile „modifiziert“ hätten und die Feststellung „erheblicher Vorschubleistung“ vermieden.

Die Metaebene dieses Historikerstreits, nämlich die grundsätzliche Frage nach der Auseinandersetzung der jungen Weimarer Demokratie mit den alten monarchischen Eliten und dem Anteil dieser Eliten an der Zerstörung der Demokratie 1933, die sich in der Hohenzollerndebatte „wie in einem Prisma die politischen Umbrüche des 20. Jahrhunderts“ darstellten, berührte die Diskussion nur am Rande.

„Anmaßend und skandalös“

Lediglich verwahrte sich Kroll dagegen, wie Eva Schlotheuber (Düsseldorf) als Vorsitzende der „Verbandes der Historiker und Historikerinnen Deutschlands“ im Frühjahr 2021 eindeutig und einseitig Stellung bezog, in dem sie die Rolle der Hohenzollern als Wegbereiter des Nationalsozialismus abschließend für ihrer Zunft zu beantworteten trachtete. „Das war anmaßend und skandalös“, urteilte Kroll.

Auch Wolffsohn wetterte gegen viele „Mainstream-Historiker“, die sich in der Frage der Restitution der Hohenzollern und der gleichzeitigen Verurteilung der historischen Rolle Preußens „als Liebediener“ der Politik gerieren.

> Frank Lothar Kroll, Christian Hillgruber, Michael Wolffsohn (Hrsg.): Die Hohenzollerndebatte. Beiträge zu einem geschichtspolitischen Streit. Verlag Duncker & Humblot, Berlin 2021, gebunden, 430 Seiten, 29,90 Euro

Burg Hohenzollern von Zeller-Horn aus gesehen Foto: picture alliance / Panther Media | Thomas Koschnick
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