Klaus-Rüdiger Mai Die Zukunft gestalten wir!

 

NKWD-Opfer

Am 27. April 1945, in Berlin wurde bereits gekämpft, haben wir unsere Stellung auf dem Oderdamm bei Hohensaaten aufgegeben, um den Russen nicht in die Hände zu fallen. Wir waren Angehörige einer Alarmeinheit der Kriegsmarine, und jeder versuchte sich nun nach Westen durchzuschlagen. Am 29. April kam ich durch meinen Heimatort im Kreis Ruppin. Meine Eltern waren zu Hause, und da sie schon einen Sohn im Osten verloren hatten, war für mich klar, daß ich bei ihnen blieb. Ich schlüpfte in Zivilsachen und versteckte meine Uniform sowie die Waffen. Am nächsten Morgen wurden wir auf unserer Obstplantage in einem kleinen Erdbunker von den Russen überrollt. Zum Glück entdeckten sie uns nicht. Meine Tante, die in der Nähe wohnte, hatte weniger Glück. Sie wurde mehrmals von Russen vergewaltigt. Zwei Tage später gingen wir in unsere Stadtwohnung zurück. Hier erfuhr ich, daß auch meine Cousine im Beisein ihres Vaters vergewaltigt wurde. Da unsere Kanalbrücke gesprengt war, staute sich der Durchmarsch der Rotarmisten, und sie nutzten die Zeit für ihre Raubzüge: Frauen, Uhren, Schmuck. In unser Haus quartierten sich vier Russen ein, für die meine Mutter Essen kochen mußte. Dadurch blieben wir von Belästigungen verschont. Mit ein paar älteren Männern haben wir tote deutsche Soldaten und auch Zivilpersonen, die lieber den Freitod wählten, eingesammelt und zum Friedhof transportiert. In den folgenden Tagen verschwanden einige Männer unseres Ortes auf Nimmerwiedersehen. Auch mein Vater wurde „abgeholt“ und hatte großes Glück, denn er wurde nach fünf Wochen wegen Krankheit einfach davongejagt. Dieses Schicksal traf auch mich einige Jahre später. Ich wurde denunziert, vom NKWD verhaftet und von einem sowjetischen Militärtribunal in Brandenburg wegen antisowjetischer Einstellung zu 25 Jahren Arbeitslager verurteilt. Mit 21 Jahren wurde ich verhaftet und mit 31 Jahren entlassen. Die gesamte Zeit verbrachte ich im „Gelben Elend“ in Bautzen. Günther Gnass, Berlin

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