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„Vernichtet das Ungeziefer! Tod den Bakterien!“

Die Sommerferien neigen sich dem Ende zu, und wieder einmal haben Millionen von Touristen die großen Museen Europas durchstreift. Was ist hängengeblieben? Und was davon läßt sich im Alltag realisieren? Den Museumshunger breiter Schichten in eine nützliche Bahn zu lenken, war das Anliegen des sächsischen Fabrikanten Karl August Lingner (1861- 1916), berühmt geworden durch sein Mundwasser Odol. Das Erfolgsprodukt weist schon den Weg, den Lingner als Mäzen gehen sollte. Es desinfiziert die Mundhöhle und dient der Vorbeuge gegen übermäßige Entwicklung von Bakterien, Mundgeruch und Zahnverfall. Schon seit der Jahrhundertwende veranstaltete Lingner in Dresden einzelne Ausstellungen, um das Volk über eine gesunde Lebensweise aufzuklären. „Hygieia“ heißt auf griechisch Gesundheit. Robert Koch hatte gerade entdeckt, daß winzige Lebewesen, die sogenannten Bakterien, als Krankheitserreger wirken. Mit der „Hygiene“ entstand ein neues Bewußtsein, nämlich daß auch der Laie entscheidenden Einfluß auf seine Gesundheit und die seiner Familie hat. So entstand 1911 das Dresdner Hygienemuseum, damals einzigartig in einem Bildungsanspruch, der vom humanistischen Gymnasium weit entfernt und statt dessen biologisch-medizinisch ausgerichtet war. Nichts könnte aktueller sein. Vorbeugung gegen Krankheiten, Anti-Ageing und Wellness stehen im Zentrum der öffentlichen Aufmerksamkeit. Eigentlich müßte jede Stadt heute ein solches Museum haben, und zwar mit allen elektronischen Schikanen und pädagogischen Kniffen versehen. Denn durch die richtige Information und Motivation ließen sich Milliarden im Gesundheitswesen einsparen. Statt dessen präsentieren die Dresdner ihr Haus überwiegend als historische Rarität und führen dem Besucher jene gutgemeinten, aber noch hilflosen Versuche vor, den menschlichen Körper durchschaubar zu machen. Der „gläserne Mensch“ war damals eine Attraktion, ebenso die Nachbildungen menschlicher Organe in Wachs oder Gummi, die sogenannten „Moulagen“, teilweise mit abstoßenden Krankheitssymptomen bestückt. Auch die Schautafeln mit ihren zeigefingerhaften Belehrungen wirken heute eher nostalgisch und verdecken die Aktualität des ganzen Unternehmens. Dazwischen wird plötzlich die DNA erklärt, ohne genügend deutlich zu machen, daß man sich hier auf einer ganz anderen Ebene befindet, der molekularen, und ein Kapitel der Hygiene aufschlägt, das völlig neue Möglichkeiten eröffnet. Welchen Schatz sie verwahren, ist den Dresdnern offenbar gar nicht klar. Sie betrachten als Kuriositätenkabinett, was ein Hort des höchsten Gutes sein könnte, das wir haben. Es reicht nicht, die „Vereinnahmung“ von 1933 bis 1945 ausgiebig zu kritisieren. Man braucht schon ein eigenes Konzept.

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