Glaube und nationales Denken untrennbar verknüpft

Auf der Flucht erschossen.“ So lautete die amtliche Nachricht über die Ermordung des Reichsführers der katholischen Sportorganisation Deutsche Jugendkraft (DJK), Adalbert Probst. Sein Name stand auf einer Exekutionsliste im Zusammenhang mit der Röhm-Affäre, in der Hitler, Göring und Heydrich vor siebzig Jahren nicht nur innerparteiliche Gegner, sondern auch Persönlichkeiten aus anderen politisch-ideologischen Lagern ermorden ließen, um potentiellen Widerstand auszuschalten. Zu Probst stand in der genannten Liste vermerkt: „exekutiert auf dem Transport nach Lichtenberg am 2. Juli 1934“. Wenige Monate zuvor hatte Probst geschrieben: „Unser Streben soll sein: ganze und würdige Glieder der großen deutschen Volksgemeinschaft zu werden, (…) uns einzusetzen für Volk und Kirche. Nur wer wie wir das Vaterland als Gottesgabe erkennt und darum liebt, wird auch den höchsten Preis dafür opfern.“ Probst, geboren 1900, stammte aus einer bayerischen Soldatenfamilie, zog mit 17 Jahren in den Weltkrieg, wurde verwundet und kehrte 1918 heim in die Bürgerkriegszustände seiner bayerischen Heimat. Er schloß sich einem Freikorps an, mußte zeitweilig nach Österreich ausweichen, wo er sich beruflich in der flachsverarbeitenden Industrie profilierte (Aufstieg zum „Fabrikteilhaber“). 1929 folgte er einem Ruf des Prälaten Ludwig Wolker, der den talentierten jungen Mann in der Reichsleitung des Katholischen Jungmännerverbandes Deutschlands (KJMV) im Jugendhaus Düsseldorf beschäftigte. Im November 1932 wurde Probst Beauftragter für Geländesport im KJMV. Im Dezember 1933 folgte im Rahmen der „Gleichschaltung“ aller deutschen Sportverbände unter nationalsozialistischer Führung die Ernennung zum Reichsführer der DJK. In der DJK hielt man Probst wegen seiner Freikorpsvergangenheit für besonders geeignet, in den schwierigen Verhandlungen über das Fortleben der katholischen Sportorganisation etwas zu erreichen. Im Zuge der Röhm-Affäre geriet Probst auf die Exekutionsliste, weil sein Konzept loyaler und eigenständiger katholischer Mitarbeit wegen der betont nationalen Ausrichtung den NS-Größen nicht in ihre totalitären Pläne paßte. Die NS-Machthaber witterten eine gefährliche Konkurrenz In solcher Nähe zu dem von den Nationalsozialisten usurpierten nationalen Wertesystem witterten die Machthaber eine gefährliche Konkurrenz. Da man sich an Priester wie den sehr nationalbewußten Prälaten Wolker noch nicht heranwagte, wurde Probst eines der Mordopfer. Am 1. Juli 1934 wurde Probst, als er den Prälaten Wolker bei dessen Kuraufenthalt in Braunlage (Harz) besuchte, von der Gestapo festgenommen. „Opferbereitschaft für Volk und Vaterland“ hatte der junge Familienvater postuliert. Ahnend, was ihm bevorstand, konnte Probst dem Priester noch zuflüstern: „Ich bleibe treu bis zuletzt.“ Erst am 10. Juli gelang es Wolker, amtliche Aufklärung über das Schicksal seines Mitarbeiters zu erlangen. Über die wahren Zusammenhänge durfte damals aber nichts in der Presse erscheinen. Am 10. September wurde in der Heilig-Geist-Kirche Düsseldorf (gleich neben dem Jugendhaus) ein Requiem für Probst zelebriert, anschließend wurde auf dem Düsseldorfer Nordfriedhof die Asche des Ermordeten beigesetzt, welche die Behörden der Witwe in einer Blechdose zugestellt hatten. Ungünstig für die NS-Machthaber war, daß in dem unter Völkerbundverwaltung stehenden Saargebiet der Katholizismus noch die Möglichkeit hatte, sich frei zu artikulieren. In zahlreichen Gemeinden gedachten Priester und katholische Vereine der ermordeten Glaubensbrüder Probst und Klausener. Bei einer Bekenntniskundgebung katholischer Saarjugend beteten 50.000 Jugendliche für die beiden Männer, die man als Blutzeugen ansah. Vielerorts wurden weiße Kreuze mit Hinweisen auf die Mordopfer der Röhm-Affäre aufgestellt. Probsts Name wurde in die Liste der deutschen katholischen Märtyrer des 20. Jahrhunderts aufgenommen, die Prälat Helmut Moll im Auftrage der Deutschen Bischofskonferenz zusammengestellt hat, sein Leben und Sterben dadurch in unseren Tagen geehrt. Für Probst, den tiefgläubigen Katholiken, waren „der Glaube und das nationale Denken untrennbar miteinander verknüpft“, hier lag für ihn die „nie versiegende Kraftquelle“ für den Dienst an Volk und Kirche.

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