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Quelle heutigen Mißtrauens

Jom Kippur, der „Versöhnungstag“, ist das höchste Fest der Juden, an dem 24 Stunden lang vollständiges Fasten vorgeschrieben ist. Jede andere Aktivität als Beten wird an diesem Tag eingestellt. In Israel schweigen am Jom-Kippur-Tag sogar Rundfunk und Fernsehen. Diese Einzelheit ist von besonderer Bedeutung, wenn man an die Ereignisse erinnert, die am 6. Oktober vor dreißig Jahren stattgefunden haben. Denn zu diesen Ereignissen muß man noch wissen, daß wegen der geographischen Gegebenheiten des Landes Zahal, die israelischen Streitkräfte, per Rundfunk und Fernsehen mobil gemacht werden müssen, für Einberufungsbefehle per Post bleibt im Falle eines Überraschungsangriffs keine Zeit. Diese jüdische Tradition nutzten 1973 der ägyptische Präsident Anwar el Saddat und der syrische Präsident Hafez el Assad aus, um die israelische Verteidigung zu überrennen und den Jom-Kippur-Krieg (im Westen auch als „Oktober-Krieg“, in der moslemischen Welt als „Ramadan-Krieg“ bekannt) zu beginnen. Der arabische Angriff zeigte das Versagen des Mossad Die Vorgeschichte: Auf der Konferenz von Khartum, die nach der katastrophalen Niederlage der arabischen Armeen im Sechs-Tage-Krieg von 1967 abgehalten wurde, verkündete die arabische Liga ihre vier Punkte: kein Frieden mit Israel, keine Anerkennung Israels, keine Verhandlungen mit Israel und kein Kompromiß auf Kosten der Palästinenser. Im März 1969 kündigte der ägyptische Präsident Gamal abdel Nasser, der uneingeschränkte Unterstützung der Sowjets genoß, den Waffenstillstand von 1967, und es begann ein verlustreicher Abnutzungskrieg entlang des Suezkanals, an dessen Ostufer die Israelis eine Kette von 16 Festungen, die sogenannte Bar- Lev-Linie ausgebaut haben, die als unüberwindbar galt – wie ehedem die Maginot-Linie. Der Abnutzungskrieg kostete Israel mehr Verluste als der Sechs-Tage-Krieg. 1970 starb Nasser. 1972 verwies Nassers Nachfolger, Anwar el Saddat, alle sowjetischen Militärberater des Landes, was die israelische Führung in eine trügerische Zuversicht wog. Im Herbst 1973 versagten dann die vielgerühmten israelischen Geheimdienste. Trotz amerikanischer Warnungen nahmen sie die ägyptischen Truppenbewegungen nicht ernst, sondern beurteilten sie als routinemäßige Manöver und signalisierten der Regierung „kein Grund zur Besorgnis“. Daher wurden die israelischen Streitkräfte völlig überrascht, als am 6. Oktober, dem Jom-Kippur-Tag, um 13.55 Uhr die ägyptische und die syrische Armee gleichzeitig angriffen. Die Syrer schickten fünf Divisionen mit 1.400 Panzern und 1.000 Artilleriegeschütze ins Feld, die Ägypter neun Divisionen, 1.700 Panzer und 2.000 Geschütze. Die ägyptische Armee überquerte den Suezkanal, durchbrach die Bar-Lev-Linie und fügte den wegen des Feiertages stark ausgedünnten israelischen Einheiten schwere Verluste zu. Die Armee konnte nicht rechtzeitig mobil gemacht werden. Trotzdem gelang es ihr, die zweite Linie im Sinai – zehn bis zwölf Kilometer östlich des Kanals – zu halten. Die israelische Luftwaffe, die noch 1967 den Krieg entschieden hatte, erlitt schwere Verluste wegen der massiven Luftabwehr durch SAM-Raketen sowjetischer Herkunft. Der Versuch einer israelischen Gegenoffensive am 8. Oktober mißlang. Am 12. Oktober hingegen warnte der Geheimdienst rechtzeitig vor einem bevorstehendem ägyptischen Vorstoß, Ariel Scharons Panzerverbände legten einen Hinterhalt, die Ägypter wurden eingekesselt, am 16. Oktober durchquerte die israelische Armee den Suezkanal in Richtung Westen (und von da an wurden Kommuniqués „irgendwo aus Afrika“ datiert). Die gesamte 3. ägyptische Armee drohte in Gefangenschaft zu geraten. Militärkommentatoren verglichen damals Ariel Scharons Panzerschlachten mit denen des legendären deutschen Panzergenerals Heinz Guderian. Auch auf der Nordfront gelang es den Israelis, die Initiative zurückzugewinnen. Sie gingen in die Gegenoffensive und kamen am 22. Oktober bis zu 30 Kilometer vor Damaskus an, trotz des Eingreifens massiver irakischer Verbände. Nicht weniger als 867 syrische Panzer sowie Tausende von Geschützen und Fahrzeuge wurden erbeutet. Am 24. Oktober trat dann der auf Druck der USA und der Sowjetunion zustande gekommene Waffenstillstand in Kraft. Israel erlitt im Jom-Kippur-Krieg erhebliche Verluste: 2.200 gefallene Soldaten, 100 abgeschossene Flugzeuge, 400 Panzer, 100 gepanzerte Fahrzeuge und ein Raketen-U-Boot. 12.000 Ägypter fielen und 3.000 Syrer. Zwar erlangten die Israelis am Ende der Kämpfe eindeutig den Sieg, aber der überraschende Angriff wurde (und wird bis heute) von arabischer Seite als großer Sieg gefeiert und als Ende des Unbesiegbarkeitsmythos der israelischen Armee betrachtet. Nach dem Krieg wurde unter dem Vorsitz des Präsidenten des Obersten Gerichtshofes, Schimon Agranat, eine Untersuchungskommission eingesetzt, um zu klären, wieso die israelischen Streitkräfte zum ersten Mal in der Geschichte des Staates überrumpelt werden konnten. Noch bevor die Ergebnisse der Agranat-Kommission bekannt gegeben wurden, übernahm Ministerpräsidentin Golda Meir im April 1974 die Verantwortung und trat zurück. Zusammen mit ihr beendete auch ihr Verteidigungsminister, der legendäre General Mosche Dayan, seine politische Karriere. Der ägyptische Präsident Anwar el Saddat hatte den endgültigen Beweis erbracht, daß die arabischen Armeen nicht in der Lage sind, das Palästina-Problem mit Waffengewalt zu lösen. Letztlich war es der Jom-Kippur-Krieg, der Saddat überzeugte, daß er mit diplomatischen Mitteln mehr erreichen konnte als mit Brachialgewalt. Der Ölboykott wurde zur schärfsten Waffe der Araber Im September 1978 kam es zum Camp-David-Friedensschluß Ägyptens und Israels. Die israelische Regierung unter Menahem Begin gab Ägypten den Sinai zurück. Nebenbei berichtet: Die Zwangsevakuierung der Siedlungsstadt Yamit am östlichen Rand des Sinai wurde unter dem Kommando des Kriegshelden Ariel Scharon durchgeführt. Der Jom-Kippur-Krieg führte zu zwei kriegsgeschichtlichen Premieren. Es war der erste größere Waffengang der Geschichte, in der die Raketenwaffen zu einer entscheidenden Rolle kamen, sowohl in den Luft- wie auch in den Panzerschlachten. Der Jom-Kippur-Krieg lieferte den arabischen Ölproduzenten zum ersten Mal in der Geschichte den Anlaß, einen Boykott der Öllieferungen an die westlichen Industriestaaten zu verkünden. Die wirtschaftlichen Auswirkungen des Ölboykotts – mit den Folgen des damals hochgeschnellten Rohölpreises – machen sich bis zum heutigen Tag bemerkbar. Foto: Ariel Scharon (re.) mit Generalstabschef Haim Barlev, Oktober 1973: Die Übermacht bezwungen

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