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Neue Technologien: Hirnforschung: Angst

Wieder einmal steht ein Krieg bevor, und wieder wird viel von Angst geredet. Daß man vor dem Krieg Angst hat, versteht sich von selbst, ebenso wie vor Autounfällen, Raubüberfällen, Krebserkrankungen und Arbeitslosigkeit. Das sind alles ganz vernünftige, nachvollziehbare Ängste, die nur den Nachteil haben, daß es sich dabei nicht um Angst handelt, sondern um Furcht. Die Furcht vor allen möglichen Gefahren gehört so selbstverständlich zum Leben, daß man sie gar nicht spürt. Wir kennen die Gefahren und behalten sie im Auge bzw. im Hinterkopf. Dann kommt plötzlich eine Meldung, die aus der latenten Furcht einen offenen Angstzustand macht. So können starke undefinierbare Schmerzen die verbreitete Furcht vor Krebs zu einer existentiellen Angst machen. Jeder kennt es, wenn im Augenblick der Angst der Magen sich zusammenzieht (eigentlich ist es das Sonnengeflecht, ein Knotenpunkt von Nervensträngen in der Mitte des Körpers), Schweiß ausbricht, das Herz hämmert und auf Grund übermäßiger Atmung — Hyperventilation — Füße und Hände zu kribbeln anfangen. Dieser Zustand hält nicht lange an. Denn selbst wenn es sich um Krebs handelt, bekommt der Patient im Verlauf seiner Behandlung immer wieder Gelegenheit zur Rationalisierung. Die Angst mag manchmal wiederkommen — etwa allein nachts im Krankenhausbett, bricht der Schweiß wieder aus. Dann gibt’s eine Tablette. Der Unterschied zwischen den beiden Zuständen ist inzwischen von der Hirnforschung erklärt worden. Fällt die Angst uns unmittelbar und ungeschützt an, so hat die prekäre Information von den Sinnesorganen ihren Weg in den Thalamus und von dort direkt in den Mandelkern (Amygdala), gefunden, einen sehr alten Hirnbereich, der Gefahren bewertet und Reaktionen auslöst, ohne mit dem Großhirn Rücksprache genommen zu haben. Wird hingegen eine Gefahr rational eingeschätzt, so ist sie vom Thalamus in den visuellen Cortex des Großhirns gelangt, wo sie mit früheren Informationen verrechnet und vernünftig beurteilt wird. Welche Gefahren gelangen aber auf den längeren vernünftigen Weg, und bei welchen springt gleich der Angstmotor an? Das ist, wie sollte es anders sein, genetisch festgelegt. Wenn ein Kind vor Schlangen Angst hat, dann nicht, weil es um deren Gefährlichkeit weiß. Es scheint tatsächlich so etwas wie einen Archetypus im Genom zu geben, der auf die erste Schlange bereits „richtig“, also mit Flucht zu reagieren erlaubt. In anderen Fällen muß das Verhalten zwar eingeübt werden, aber auf Grund einer archetypischen Vorgabe. Der Abscheu vor Kriegsspielzeug mag einigen Kindergenerationen erfolgreich eingebleut worden sein — doch kaum läßt der erzieherische Druck nach, steigen die alten Ängste und Träume wieder auf. Die Weitervererbung von klugen und beruhigenden Einsichten ist leider nicht möglich. Kaum geht das Licht aus, fängt das Kind an zu schreien.

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