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Internationale Währungen: Der Petro-Dollar gerät ins Wanken – Was macht China?

Internationale Währungen: Der Petro-Dollar gerät ins Wanken – Was macht China?

Internationale Währungen: Der Petro-Dollar gerät ins Wanken – Was macht China?

Rußlands Rubel-Politik könnte dem chinesischen Yuan eine Schlüsselrolle gegen den Dollar zuspielen (Symbolbild) Foto: picture alliance / FotoMedienService | Ulrich Zillmann
Rußlands Rubel-Politik könnte dem chinesischen Yuan eine Schlüsselrolle gegen den Dollar zuspielen (Symbolbild) Foto: picture alliance / FotoMedienService | Ulrich Zillmann
Rußlands Rubel-Politik könnte dem chinesischen Yuan eine Schlüsselrolle gegen den Dollar zuspielen (Symbolbild) Foto: picture alliance / FotoMedienService | Ulrich Zillmann
Internationale Währungen
 

Der Petro-Dollar gerät ins Wanken – Was macht China?

Erleben wir gerade die Geburt eines neuen Weltwährungssystems? Das ist gut möglich. Die weltgeschichtliche Zäsur kommt schließlich allzu oft klein und unscheinbar daher, auf leisen Sohlen. Erst aus der Rückschau wird die historische Zäsur als solche faßbar, der unscheinbare Moment nachträglich als weltgeschichtlich begreifbar. Das könnte auch diesmal so sein. Denn was passiert hier gerade vor unser aller Augen?

Am 23. März erklärte der russische Präsident Wladimir Putin überraschend, Gas, Öl, Kohle und Rohstoffe fortan nur noch gegen Rubel zu verkaufen. Für Deutschland bedeutet das: Nun wird kein Gas mehr nach Deutschland fließen, das nicht in Rubel bezahlt wird. Das ist nicht weiter tragisch, mag der ein oder andere Beobachter denken. Das Problem ist nur: Deutschland verfügt gar nicht über ausreichende Reserven an Rubel, um seine Gaslieferungen zu bezahlen.

Entweder kommt es zum abrupten Stopp aller Gas- und Öllieferungen. Dann gehen hierzulande in der Industrie die Lichter aus. Oder Deutschland versucht, die dringend benötigen Rubel über einen Intermediär aufzutreiben. Zum Beispiel über China. Wie sähe das Geschäft dann hypothetisch aus? China hat entweder bereits große Rubelreserven oder baut sie über seine immensen Importe aus Rußland in kurzer Frist auf. Indem China seine Gas-, Öl-, Kohle- und Rohstoffimporte gegen Rubel kauft, kann es seinem strategischen Partner Rußland wirksam unter die Arme greifen.

Die kräftige Kurserholung des Rubels in den letzten vergangenen Tagen reflektiert vermutlich die chinesische Stützung. China könnte seine Rubel Deutschland auf der Basis von Gold beleihen oder verkaufen. Deutschland würde anschließend seine Gas- und Öllieferungen in Rubel zahlen. Dieser Rubel wäre indirekt goldgedeckt. Voilà, fertig ist das kleine neue fernöstliche Weltfinanzsystem.

Petro-Dollar ist Garant der Weltleitwährung

Fluchtpunkt des skizzierten Verschiebebahnhofs wäre in unserem Gedankenspiel der Petro-Dollar. Die Basis des US-Dollars als Weltleitwährung und Weltreservewährung liegt darin begründet, daß jedes Barrel Rohöl auf Dollarbasis abgerechnet wird. Bereits das Hohlmaß Barrel (deutsch: Faß) indiziert, wer die Konditionen des Geschäfts bestimmt. Öl war die vergangenen 80 Jahre der Rohstoff, der die gesamte Weltwirtschaft schmierte.

Das Schmiermittel Öl soll zwar durch erneuerbare Energieträger ersetzt werden. Doch das dauert. Solange bleibt Öl der Rohstoff, den alle Volkswirtschaften benötigen, also nachfragen und in Dollar abrechnen müssen. Der Petro-Dollar ist der Garant weltweiter Dollar-Nachfrage. Ab dem Moment, wo mit Rußland (das größte Land der Erde) und China (die zweitgrößte Weltwirtschaft) zwei Staaten den Dollar-Öl-Standard verlassen, hat das unmittelbar Auswirkungen auf das dollarbasierte Weltfinanzsystem.

Werkbank China und der inflationierte Dollar

China ist die Werkbank der Welt. Als Werkbank der Welt ist China gegenwärtig mit folgendem Problem konfrontiert: Es produziert Güter und Werte in Gestalt von High-Tech- und Massenartikeln. Als Gegenwert erhält China in erster Linie US-Dollar. Der Wert des Dollars ist aber gerade im freien Fall befindlich. Ursächlich sind weniger Währungsschwankungen als die Inflation. Die Inflation hat zur Folge, daß China beim Abschluß eines Geschäfts mit einer US-Firma einen Preis vereinbart, der bei Auszahlung signifikant zusammengeschmolzen ist. Denn die Konsumentenpreisinflation bewegt sich in den USA mit Sieben-Meilen-Stiefeln in Richtung zehn Prozent.

Nehmen wir einmal hypothetisch an, eine US-Firma hat mit einem chinesischen Partner im Januar 2022 ein großes Geschäft abgeschlossen. Die Lieferung aus China erfolgt im März, die Zahlung schließlich im August. In diesem Fall hat der chinesische Geschäftspartner rund zehn Prozent weniger für die gelieferten Güter und Werte erhalten als ursprünglich vereinbart. Der US-Partner erhält dagegen Güter und Waren, deren Wert rund zehn Prozent gestiegen sind.

Die von China gelieferten Waren und Güter repräsentieren reale Werte, deren Wert, gemessen an US-Dollar, steigt. Das ist ein einseitiges Geschäft zugunsten des US-Partners, auf Kosten des chinesischen Handelspartners. Überspitzt formuliert: China erhält für werthaltige Güter und Waren bedrucktes Papier. Das Motto: „Der Dollar ist unsere Währung und euer Problem“ ist keine solide Basis für einen dauerhaften Handelsaustausch.

China will Dollardominanz brechen

China will die Dollardominanz der Weltwirtschaft aus unterschiedlichen Gründen brechen. Das geht entweder auf dem Wege einer neuen digitalen Währung und/oder, indem der Petro-Dollar attackiert wird. Den Petro-Dollar durch den Petro-Yuan zu ersetzen, ist das Ziel. Das ist alles nicht neu, vor China haben das schon andere versucht. Aber nun liegen die Dinge vollständig anders.

Bedingt durch den monetären Klimawandel Ende 2021 haben sich die Gewichte verschoben. Durch die einsetzende Konsumentenpreisinflation stößt das Fiatkreditgeldsystem an seine Grenzen, wie Thomas Mayer und Hans-Werner Sinn trefflich analysiert haben. Dollar und Euro werden gerade butterweich, wenigstens viel weicher als vor zehn Jahren. Den weichen Dollar weiter abzuschmelzen, ist von daher aussichtsreicher denn je. Denn auch die Ölförderländer auf der arabischen Halbinsel haben derzeit ein Dollarproblem.

Sie könnten versucht sein, dem chinesischen Drängen nachzugeben, ihre Ölexporte nach China über den Yuan abzuwickeln. Dazu könnte sich China bereit erklären, den Yuan mit einem Goldstandard auszustatten. Die Golddeckung könnte durchaus vorübergehend sein. Sie ist möglicherweise nur ein Instrument in der Hand der Chinesen, die Schwundwährungen des Westens anzugreifen und nach und nach über bilaterale Geschäfte zu substituieren.

Alles hängt mit allem zusammen. Die ehedem vereinzelt herumliegenden Zahnräder greifen auf einmal ineinander. Die Gelddruckorgien der zurückliegenden Jahre haben den Westen ohne Not geschwächt. Den Preis dafür bezahlt er in den kommenden Monaten. In welcher Form auch immer.

Rußlands Rubel-Politik könnte dem chinesischen Yuan eine Schlüsselrolle gegen den Dollar zuspielen (Symbolbild) Foto: picture alliance / FotoMedienService | Ulrich Zillmann
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