Superwahljahr
Dollarnoten: Das schlechte (staatlich überbewertete) Geld verdrängte das gute (staatlich unterbewertete) Geld
Dollarnoten: Das schlechte (staatlich überbewertete) Geld verdrängte das gute (staatlich unterbewertete) Geld Foto: picture alliance / VisualEyze

Gold und Dollar
 

Fortan ohne einen inneren Wert

Vor 50 Jahren, am 15. August 1971, begruben die Vereinigten Staaten von Amerika die letzten Überbleibsel des Gold-Devisen-Standards: An diesem Tag beendete der amerikanische Präsident Richard Nixon die Einlösbarkeit des US-Dollar in physisches Gold. Dadurch wurde weltweit ein währungsgeschichtlich einzigartiges Geldregime aus der Taufe gehoben, wie der Ökonom Milton Friedman anmerkte: Alle wichtigen Währungen wurden zu nicht einlösbarem Papier- oder Fiat-Geld. Wie kam es dazu, und was sind die Folgen?

Dazu zunächst ein Blick in die Währungsgeschichte. Das US-amerikanische Münzgesetz vom 2. April 1792 (,,Coinage Act‘‘) machte den Dollar zur amerikanischen Währungseinheit. Fortan entsprach der Dollar 371,25 Gran Feinsilber (480 Gran gleich 1 Feinunze gleich 31,1034 Gramm) oder 24,75 Gran Feingold. Das Austauschverhältnis zwischen Silber und Gold entsprach folglich 15 zu eins. Das Münzgesetz verordnete den Vereinigten Staaten somit einen ,,Bimetallismus‘‘: Silber und Gold waren das gesetzliche Zahlungsmittel.

Weil aber der Marktpreis des Silbers im Vergleich zum Gold schon bald über 15 zu eins stieg, stellte sich eine Überbewertung von Silber gegenüber Gold ein, und das Grashamsche Gesetz zeigte Wirkung: Das schlechte (staatlich überbewertete) Geld verdrängte das gute (staatlich unterbewertete) Geld: Silbermünzen liefen um, Goldmünzen wurden gehortet. Die USA waren de facto auf einem Silbergeldstandard.

Durch den Goldabfluß drohte den USA die Zahlungsunfähigkeit

Die Änderung des Münzgesetzes im Jahr 1834 hob das Austauschverhältnis auf 16 zu eins. Fortan entsprach eine Feinunze Gold 20,6718 Dollar. Nun aber stellte sich heraus, daß Gold gegenüber Silber überbewertet war. Und entsprechend verdrängte das relativ billige Gold das relativ teure Silber als Geld, und Amerika war de facto auf einem Goldstandard.

US-Verbraucherpreisindex
US-Verbraucherpreisindex Foto: wikimedia.org/ donarreiskoffer/CC

Während des Bürgerkrieges 1861 bis 1865 gab die US-Regierung ,,Greenbacks‘‘ aus: Dollar, die keine Silber- oder Golddeckung hatten. Das führte zu hoher Inflation der Güterpreise. Eine politische Bewegung, das Geldwesen neu zu ordnen, führte zum Münzgesetz von 1873. Darin wurde Silber als Geld demonetisiert. Fortan galt nur noch Gold als Geld; Silberanhänger sprachen vom ,,Verbrechen von 1873‘‘. Indem die generelle Goldeinlösepflicht für den Dollar am 1. Januar 1879 wieder eingeführt wurde, führte Amerika den Goldstandard offiziell ein. Anders als viele andere Länder hielten die USA auch während des Ersten Weltkriegs an ihm fest. Lediglich von 1917 bis 1918 gab es ein Goldexportverbot.

Ab 1933 wertete Präsident Franklin D. Roosevelt den Dollar schrittweise gegenüber dem Gold ab und setzte ihn Anfang 1934 auf 35 Dollar pro Feinunze. Am 5. April 1933 verbot Roosevelt zudem den privaten Goldbesitz; er wurde erst 1974 wieder erlaubt. Gleichzeitig mußte die US-Zentralbank (Federal Reserve) ihre Goldeinlagen an das US-Schatzamt übergeben. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde der Dollar, wie es 1944 im System von Bretton Woods beschlossen war, zur Weltankerwährung. Der Dollar war an das Gold gebunden: 35 Dollar entsprachen einer Feinunze Gold. Alle übrigen Währungen waren mit einem festen Wechselkurs an den Dollar gebunden, und dadurch hingen auch sie (indirekt) am Gold.

Abkehr von Gold erweist sich als Fluch

Nachdem die Vereinigten Staaten Ende der fünfziger Jahre begannen, eine inflationäre Geldpolitik zu betreiben – sie vermehrten die Dollargeldmenge weit über ihre Goldbestände hinaus –, begann sich der Marktpreis des Goldes zusehends vom offiziellen Preis in Höhe von 35 Dollar abzulösen: Man befürchtete eine Abwertung des Dollar gegenüber dem Gold.

Bereits 1961 hatten die USA und sieben europäische Staaten vereinbart, den offiziellen Goldpreis von 35 Dollar pro Feinunze zu verteidigen (,,London Gold Pool‘‘). Sie wickelten untereinander Goldtransaktionen zu diesem Kurs ab. Doch die Spannungen wurden so groß, daß die Vereinbarung im März 1968 zusammenbrach. Ausländische Regierungen, die Dollar hielten, verlangten zusehends die Einlösung ihrer Dollarguthaben in Gold.

Um den Goldabfluß zu beenden und damit die drohende Zahlungsunfähigkeit abzuwenden, verkündete Präsident Nixon am 15. August 1971, daß der Dollar fortan nicht mehr in Gold eintauschbar sei. Durch diesen unilateralen Beschluß der USA wurden alle wichtigen Währungen der Welt zu nicht einlösbarem Fiat-Geld, ein Geldstandard, der bis auf den heutigen Tag weltweit vorherrscht.

Goldbarren der Bundesbank
Goldbarren der Bundesbank Foto: picture-alliance / dpa | DB Bundesbank

Nach Jahrzehnten zeichnet sich immer deutlicher ab, daß sich die Abkehr vom Goldgeld zusehends als das erweist, was viele Ökonomen frühzeitig befürchtet haben: als ein Fluch.

Chronische Güterpreisinflation, Wirtschaftskrisen und unsoziale Verteilung

Die Ausgabe von ungedecktem Geld sorgt nicht nur für chronische Güterpreisinflation, Wirtschaftskrisen und unsoziale Verteilung von Einkommen und Vermögen. Es treibt auch die Schuldenstände in schwindelerregende Höhen. So schätzt das International Institute of Finance (IIF), daß die globale Verschuldung mittlerweile auf etwa 289 Billionen US-Dollar angeschwollen ist, das sind etwa 360 Prozent der weltweiten Wirtschaftsleistung.

Die Staaten, die im Grunde grenzenlosen Kredit bei ihren Zentralbanken genießen, haben sich in eine Überschuldung manövriert. Mit extrem niedrigen Zinsen und einer immer weiter anschwellenden Kredit- und Geldmenge versuchen die Zentralbanken inzwischen, Zahlungsausfälle in großem Stil abzuwenden. Mittlerweile schrecken sie sogar nicht mehr davor zurück, die Güterpreisinflation in die Höhe zu treiben, um die Schulden zu entwerten.

Wie lange man das ungedeckte Geldsystem auf diese Weise noch aufrechterhalten kann, läßt sich nicht mit Gewißheit sagen. Aber die Notwendigkeit, das Geld wieder auf eine solide Grundlage zu stellen, ist schon heute unübersehbar. Die Abkehr vom Goldgeld vor 50 Jahren war daher vielleicht gar nicht endgültig. So schrieb der Ökonom Ludwig von Mises: „Man hat an der Goldwährung manches auszusetzen gewußt; man hat ihr den Vorwurf gemacht, daß sie nicht vollkommen sei. Doch niemand weiß anzugeben, wie man an Stelle der Goldwährung Vollkommeneres und Besseres setzen könnte.“

JF 33/21

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