Konzernzentrale von Audi in Ingolstadt: „Audianer_innen“
Konzernzentrale von Audi in Ingolstadt: „Audianer_innen“ Foto: picture alliance / Daniel Kalker | Daniel Kalker

„Audianer_innen“
 

Audi setzt ab sofort auf Gender-Sprech

INGOLSTADT. Der deutsche Autohersteller Audi hat eine Richtlinie zur gendergerechten Sprache beschlossen. Ein Jahr lang habe eine Projektgruppe an dem 13seitigen Papier mit dem Titel „Vorsprung beginnt im Kopf“ gearbeitet, berichtet die Augsburger Allgemeine am Dienstag. „Wertschätzung, Offenheit, Verantwortung und Integrität sind die Basis unserer Unternehmenskultur, dies machen wir auch in unserer Sprache deutlich“, sagte die Personalchefin im Audi-Vorstand, Sabine Maaßen, dem Blatt.

Den Audi-Mitarbeitern wird demnach die Nutzung des sogenannten Gender-Gaps empfohlen – beispielsweise „Audianer_innen“. Diese Schreibweise schaffe „Raum für alle nicht-binären Geschlechtsidentitäten“, begründete Antonia Wadé aus der Projektgruppe die Empfehlung. Das sogenannte Gendersternchen könne hingegen in IT-Verwendungen zu Problemen führen, weil das Symbol bereits mit anderen Funktionen belegt sei.

Auch Volkswagen prüft Möglichkeiten

Der Anstoß zur Verwendung des Gender-Sprechs sei nicht nur aus der Diversity-Abteilung gekommen, sondern auch aus den Reihen der Beschäftigten, ergänzte die Leiterin „Diversity Management“, Denise Mathieu. Einige von ihnen hätten sich eine Anleitung gewünscht, wie sie etwa ihre Arbeit im Vertrieb diskriminierungsfrei erledigen könnten. Bei der Ausarbeitung des Leitfadens habe Audi mit der Organisation „Prout at Work“ zusammengearbeitet. Dabei handelt es sich um eine Stiftung, die „LGBT*IQ-Themen am Arbeitsplatz sichtbar machen will“.

Der Mutterkonzern Volkswagen (VW) verwende bislang keine gendergerechte Sprache, heißt es in dem Artikel. Eine Unternehmenssprecherin teilte der Augsburger Allgemeinen mit, man prüfe derzeit, „wie sich diversitysensible Sprache nachhaltig umsetzen läßt“. VW wolle eine Lösung erarbeiten, die auf breite Akzeptanz stoße.

Sprachwissenschaftler kritisieren Gender-Sprech

Die angeblich geschlechtergerechte Sprache hielt in den vergangenen Jahren in immer mehr Gesellschaftsbereichen Einzug. Zuletzt sorgte eine Sprachwissenschaftlerin für Schlagzeilen, die eine genderneutrale Umformulierung des Grundgesetzes forderte. Zuvor hatte der Duden angekündigt, zwölftausend Begriffe entsprechend zu ergänzen: Unter „Mieter“ oder „Bäcker“ sind ausschließlich männliche Personen zu verstehen, weibliche finden sich als „Mieterin“ oder „Bäckerin“ in dem Nachschlagewerk.

Linguisten und Germanisten kritisieren diese Veränderung des generischen Maskulinums teils scharf. „Die Festlegung des grammatischen Genus Maskulinum auf das natürliche Geschlecht entspricht nicht der Systematik des Deutschen“, sagte etwa die Germanistin Ursula Bredel. Wenn beispielsweise das Wort „Mieter“ nur noch männliche Mieter bezeichne, würde dadurch auch die Bezeichnung von Menschen erschwert, die sich weder als Männer noch als Frauen fühlten, mahnte Bredel. Die derzeit übliche Formulierung „Mieter (m/w/d)“ sei dann nicht mehr möglich.

Laut anderen Sprachwissenschaftlern sagen Personenbezeichnungen mit grammatisch männlichem Geschlecht in der deutschen Sprache nichts über das biologische Geschlecht aus. (ls)

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