Continental
Continental: Sparkurs und Umbau Foto: picture alliance/Moritz Frankenberg/dpa
Industrie in der Krise

Continental will weiteren Standort dichtmachen

HANNOVER. Der Automobilzulieferer Continental könnte mehr Werke in Deutschland schließen als bisher bekannt. In Aachen soll bis Ende 2021 das Reifenwerk dichtgemacht werden, berichtet die Nachrichtenagentur dpa unter Berufung auf die Gewerkschaft IG BCE. Davon betroffen wären 1.800 Stellen, eine endgültige Entscheidung darüber sei aber noch nicht gefallen.

Der Dax-Konzern mit Sitz in Hannover hatte erst vor zwei Wochen angekündigt, seinen Sparkurs und Umbau wegen hoher Verluste zu verschärfen. „Der Kahlschlag ist weder mit der Transformation der Autoindustrie zu begründen, noch mit der Corona-Krise“, kritisierte das Vorstandsmitglied der Gewerkschaft, Francesco Grioli, der Agentur. „Das ist schlicht Streichen um des Streichens Willen.“

Continental hatte für das zweite Quartal einen Verlust von 9,7 Prozent verzeichnet. Besonders betroffen war die Sparte „Automotive Technologies“ mit einem Minus von 18,1 Prozent. Vor allem das Geschäft mit Elektronik, Sensorik, Bremssystemen und Antrieben sorgte für Umsatzeinbußen. Auch jenes mit Reifen und Kunststofftechnik schlug mit einem Minus von einem Drittel zu Buche.

Continental ist kein Einzelfall

Laut der Arbeitnehmervertreter stehen ebenfalls Werke im hessischen Babenhausen und Karben sowie im thüringischen Mühlhausen auf der Streichliste. Nach Angaben von Continental sei aber noch nichts entschieden. Vor einer Woche hatte der Auto- und Industriezulieferer Schaeffler bekanntgegeben, bis Ende 2022 rund 4.400 weitere Stellen abzubauen. Betroffen seien zwölf Standorte in Deutschland, darunter der Stammsitz im fränkischen Herzogenaurach.

Auch der Münchner Lastwagenbauer MAN will bis zu 9.500 Stellen streichen. Wie das zum VW-Konzern gehörende Unternehmen am vergangenen Freitag mitteilte, seien bis zu 7.000 Arbeitsplätze in Deutschland gefährdet. Zudem stünde der österreichische Standort Steyr „zur Disposition“.

Hauptproblem seinen staatliche Eingriffe

Der Präsident des deutschen Maschinenbau-Verbandes, Carl Martin Welcker, hatte vergangene Woche der Bundesregierung vorgeworfen, mitschuld an der Krise der Automobilindustrie zu sein. Das Hauptproblem seien „staatlich gelenkte Eingriffe“, sagte Welcker der Augsburger Allgemeinen.

Elektrofahrzeuge seien nicht wettbewerbsfähig, da die Reichweiten zu gering, die Ladezeiten zu lang und die Lebensdauer der Batterien zu kurz seien. „Nirgendwo gibt es ein selbsttragendes Geschäftsmodell für Elektromobilität. Trotzdem versuchen unsere Politiker in Deutschland und Teilen Europas seit nunmehr vielen Jahren, die Elektromobilität herbei zu subventionieren.“

Das Ergebnis sei eine „Umverteilung vom deutschen Steuerzahler hin zu einigen wenigen Autoaktienbesitzern“. Die gleichen Politiker, die diese Umverteilung betrieben, beklagten anschließend die ungerechte Vermögensverteilung in der Welt. „Ludwig Erhard würde im Grab rotieren. Genauso absurd sind die Flottenverbrauchsvorgaben und deren Berechnung oder die nun in Brüssel diskutierte Verschärfung von CO2-Vorgaben für 2030.“

Die EU-Kommission hatte vor kurzem Machbarkeitsstudien für eine weitere Verschärfung der CO2-Vorgaben in Auftrag gegeben. Demnach könnte die vorgeschriebene CO2-Einsparung noch größer werden. Elektroautos werden in den Vorgaben der EU-Kommission als Fahrzeuge mit null CO2-Emmissionen angegeben.

Obwohl ihre Herstellung teilweise deutlich energieaufwändiger ist als die für Benzin- oder Dieselautos. (ls)

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