Achterbahnfahrt des Bitcoin

Kryptowährungen: Notenbanker wollen auf den Zug aufspringen

Am vergangenen Mittwoch sackte der Bitcoin-Kurs kräftig ab. Innerhalb von nur 9,5 Stunden verlor die Kryptowährung mehr als zehn Prozent. Und in den letzten 48 Stunden legte er gar ein sattes Minus von 17 Prozent aufs virtuelle Parkett.

Die mögliche Ursache: Ein einziger japanischer Insider verkaufte seine Bitcoins in rauhen Mengen und brachte mit seiner entsprechenden Nachricht auf Twitter die Verkaufswelle anscheinend erst so richtig in Gang. Am Freitagmorgen gab die Währung auf verschiedenen Handelsplattformen bis auf unter 13.000 Dollar nach mit Richtung auf 12.000 Dollar.

Zu allem Überfluß wurde auch öffentlich, daß der südkoreanische Geheimdienst staatliche Hacker des kommunistischen Nordkorea verdächtigt, Kryptowährungen im Wert von mehr als 80 Millionen US-Dollar gestohlen zu haben. Betroffen war dabei im Februar 2017 die südkoreanische Plattform Bithumb – eine der fünf größten der Welt. 1,47 Millionen registrierte Nutzer tauschen hier rund zehn Prozent aller weltweit verfügbaren Bitcoins.

Estland, Schweden, Norwegen planen eigene Kryptowährungen

Angesichts solch turbulenter Entwicklungen stellt sich mehr denn je die Frage: „To regulate or not to regulate?“ Werden auf die Kryptowährungen mehr staatliche Kontrollmaßnahmen zukommen? Die Antwort ist von Land zu Land unterschiedlich, und sie hängt vor allem von der wirtschaftspolitischen Tradition vor Ort ab.

Doch nicht alle Entscheidungsträger beobachten die Entwicklung auf diesem Gebiet mit Zweifel, Skepsis oder gar Angst. Ein Konsens, wie mit der aufstrebenden Wirtschaftskraft abseits herkömmlicher Kontrolle zu verfahren sei, besteht noch lange nicht. Die Wächter der Weltwirtschaft sind sich uneinig.

Insbesondere die Behörden in vier europäischen Ländern glauben, das Potential von Kryptowährungen erkannt zu haben. Den Reigen der hoffnungsfrohen Regulatoren eröffnet Estland. Bitcoin, Ethereum, Ripple und all die anderen Kryptowährungen brauchen im Baltikum zur Zeit keine Regulierung zu fürchten. Vielmehr arbeiten die Esten bereits an der eigenen nationalen Kryptowährung, dem Estcoin.

Auch die Schweden schmieden Pläne. Sie wollen seit geraumer Zeit das erste bargeldlose Land der Welt werden – nun auch mit Hilfe der Blockchain, der technischen Grundlage des Bitcoin. Schon seit 2016 ist bekannt, daß Schweden an einer entsprechenden Lösung für seine Grundbucheintragungen forscht. Ende Mai 2017 wurde die Testphase erfolgreich abgeschlossen.

Von Zentralbanken ausgegebene Kryptowährungen konterkarieren deren Grundgedanken

Auch Norwegens Behörden verzichten derzeit auf die Regulierung von Bitcoin und planen statt dessen eigene Coins. Ganz vorne dabei sind auch die Niederlande. Während in unserem Nachbarland einige Geschäftsbanken an eigenen Wallets arbeiten und sogar Bitcoin-Automaten aufstellen, hat die Zentralbank bereits eine eigene Krypto-Währung gestartet: den DNBcoin.

Mit steigender Bedeutung des Bitcoins und anderer Kryptowährungen werden sicherlich noch viele weitere Regierungen auf diesen Zug aufspringen. Doch ein Grund zur Freude ist dies nicht wirklich. Steht doch an diesem Punkt der elementare Grundgedanke der Blockchain-Technologie in Frage: die dezentrale Beurkundung und Transaktion von Eigentum. Bitcoin und Co. ermöglichen den Transfer von Werten ohne überwachenden und regulierenden Intermediär. Es ist fraglich, ob eine von Zentralbanken ausgegebene Kryptowährung gerade diese Grundregel einhalten wird.

Politischer Handlungsbedarf wird vielerorts für nötig gehalten. Notenbanker machen sich mehr und mehr Gedanken über mögliche Maßnahmen zur Kontrolle der Kryptowährungen. In Zukunft werden wir daher sicherlich mehr als weniger Regulierung beobachten können.

Bitcoin: In den vergangenen Tagen verzeichnete die Kryptowährung erhebliche Kursverluste Foto: picture alliance / Klaus Ohlenschläger

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