Frauenquote
Frauenquote: Qualifizierte Nachfolger nicht gewiß Foto: dpa
Frauenverbände

„Da geht noch was!“ – Brauchen wir wirklich die Quote?

Zum wiederholten Mal hat ein Bündnis feministischer Organisationen die Politik dazu aufgefordert, endlich eine umfassende Frauenquote in der Wirtschaft zu schaffen. Nach der kommenden Bundestagswahl solle ein Frauenanteil von 30% unter den wichtigsten Manager- bzw. Vorstandsposten bei allen börsenotierten Unternehmen gelten. Die „Berliner Erklärung“ fordert ein ähnliches Modell auch für den wissenschaftlichen Betrieb an den Hochschulen. Als Begründung heißt es:

„Da geht noch was! Die Gleichberechtigung von Frauen in Arbeitswelt und Gesellschaft kommt zu langsam und nicht entschieden genug voran.“ An dieser Aussage gibt – zumindest soweit sie den Wissenschaftsbetrieb betrifft – begründete Zweifel.

1992 waren gerade einmal 6,5 Prozent aller Professorinnen weiblich, bis 2015 war dieser Anteil auf 22,7 Prozent gestiegen. Das statistische Bundesamt wird seine Zahlen für 2016 in wenigen Wochen, für 2017 erst in einem Jahr veröffentlichen. Vermutlich dürften zum heutigen Tag bereits 24 Prozent aller Professoren weiblich sein.

Schlechter Indikator für Jetzt-Zustand

Doch auch dies ist nur die halbe Wahrheit. Der Frauenanteil des Jahres 2017 ist ein schlechter Indikator für den Jetzt-Zustand. Ein Professor mag mit 40 Jahren berufen worden sein und bis zum Rentenalter von 65 Jahren gearbeitet haben. Daher taucht auch der frischgebackene Professor des Jahres 1992 in der Statistik des Jahres 2017 auf. Unter allen Habilitationen (Erwerb der Lehrbefähigung) machten Frauen 2015 28,4 Prozent aus. Dieser Anteil dürfte bis zum heutigen Tag auf 30 Prozent gestiegen sein und lag 1992 noch bei 13 Prozent.

Wird dieser Anteil weiter steigen? Vermutlich. Erst 1900 durften Frauen in Baden studieren, die übrigen Bundesstaaten zogen in den Folgejahren nach, Schlußlicht dieser Entwicklung war 1909 Mecklenburg. Seitdem stieg der Frauenanteil unter den Studenten weiter an. Dieser lag 1992 bei rund 40 und heute bei 50 Prozent. Unter den Promotionen stieg der Anteil von 29 auf 45 Prozent.

Beispiel Norwegen

Auch für den niedrigen Frauenanteil in den DAX-Vorständen läßt sich eine einfache Erklärung finden. Diese sind zumeist Absolventen der MINT-Fächer (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik) oder Wirtschaftswissenschaftler – Disziplinen, in denen Frauen weniger stark vertreten sind. Ob für eine deutliche Anhebung des Frauenanteils genug qualifizierte Nachfolger bereit stehen, scheint fraglich.

Anschaulich hat dies Norwegen gezeigt. Dort führte die verbindliche Frauenquote eben nicht dazu, daß mehr Frauen in die Gremien berufen wurden, sondern nur dazu, daß die bereits vorhandenen Frauen einfach umso mehr Mandate bei verschiedenen Firmen gleichzeitig annahmen. Letztlich hatte das Gesetz also zur Schaffung einer kleinen hyper-reichen Elite beigetragen – was kaum im Interesse der meist linken Quotenbefürworter liegen dürfte.

Frauenquote: Qualifizierte Nachfolger nicht gewiß Foto: dpa

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