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Währungskrise
 

Der Euro-Sarrazin

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Ex-BDI-Chef Hans-Olaf Henkel warnt in seinem neuen Buch…
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…vor dem Ausverkauf Deutschlands Fotos: JF

BERLIN. Der ehemalige Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), Hans-Olaf Henkel, hat mit seiner Kritik am Euro und seiner Forderung nach einer Zweiteilung der Währungsunion für heftige Empörung in der deutschen Medienlandschaft gesorgt.

„Sarrazin und Henkel sind so was wie Brüder im Geiste. Sie führen gemeinsam die deutsche ‘Das-muß-man-mal-sagen-dürfen’-Fraktion. Die Rollen sind gut verteilt. Sarrazin prügelt auf Migranten ein. Henkel auf alle Politiker, die nicht seiner Meinung sind“, hieß es wortgleich bei Spiegel-Online und der Internetausgabe der Süddeutschen Zeitung anläßlich der Präsentation von Henkels neuem Buch „Rettet unser Geld! Deutschland wird ausverkauft – Wie der Euro-Betrug unseren Wohlstand gefährdet“ (Heyne Verlag 2010)

Die Aufteilung in einen Süd-Euro und einen Nord-Euro sei „eine abstruse Idee“. Warum dies abstrus ist verriet Autor Thorsten Denkler, aber nicht. „Einen Hang zur Polemik hatte Henkel schon immer – doch in seinem siebten Buch treibt er sie auf die Spitze – und weit darüber hinaus“, hieß es in der Tageszeitung Die Welt. Henkel arbeite „offenbar an seinem neuen Image als ‘Euro-Sarrazin’. Thilo Sarrazins Thesen zur Integration waren ebenfalls so steil wie krude – inzwischen ist ein Werk das erfolgreichste Sachbuch der vergangenen zehn Jahre“.

„Die Zeit des alten Euro ist abgelaufen“

Henkel, der als BDI-Chef einer der energischsten Euro-Befürworter war, hat sich angesichts der Euro-Krise zu einem heftigen Kritiker gewandelt. Gleich zu Beginn seines neuen Buches schreibt er: „Ich bekenne mich schuldig.“ Sein Einsatz für die Euro-Einführung sei die „größte Fehleinschätzung meiner beruflichen Laufbahn“, so der ehemalige IBM-Manager. „Für die Deutschen hat sich die Gemeinschaftswährung bereits als schwerer Nachteil erwiesen.“

Schulden, die andere verursachten, müßten nun mit deutschem Steuergeld beglichen werden. „Die Zeit des alten Euro ist abgelaufen“, meint Henkel. Er plädiere für eine nördliche Euro-Gruppe, die von Deutschland angeführt werde und zu der Länder wie die Benelux-Staaten, Österreich, Finnland und später die Tschechei gehören könnten.

Geldwertstabilität und Haushaltsdisziplin würde so durch den harten Nord-Euro repräsentiert. Auf der anderen Seite stünde die Gruppe der „Olivenländer“ unter Frankreichs Führung – mit Spanien, Italien, Griechenland, Portugal und anderen, so Henkel. Der frühere Bundesbankvorstand Sarrazin hat das Henkel-Buch zur „Pflichtlektüre für jeden Bundestagsabgeordneten“ erklärt, damit diese nun endlich die richtigen Fragen an die Bundesregierung stellen können.

„Sehenden Auges auf Grund laufen“

Henkel hatte bereits im Juni angesichts des vom Bundestag beschlossen milliardenschweren Euro-Rettungspakets heftige Kritik geäußert: „Die Katastrophe liegt im Wandel von einer Währungs- zu einer Transferunion, die den deutschen Steuerzahler für andere EU-Länder nun in Mithaftung nimmt“, schrieb Henkel damals im Hamburger Abendblatt.

„Der deutsche Bürger hatte zu keiner Zeit mehrheitlich die Einführung des Euro gutgeheißen. Daß der Euro trotzdem eingeführt wurde, galt damals als Beweis politischer Führungskraft.“ Doch die Geschäftsgrundlage zur Einführung des Euro sei völlig abhanden gekommen, da gegen Geist und Buchstaben der Verträge von Maastricht und Lissabon verstoßen werde. „Eine teilweise Rückabwicklung der Währungsunion in zwei unterschiedliche Währungsblöcke wäre allemal besser, als sehenden Auges auf Grund zu laufen.“ (fis)

> Direktbestellung beim JF-Buchdienst: Hans-Olaf Henkel: „Rettet unser Geld! Deutschland wird ausverkauft – Wie der Euro-Betrug unseren Wohlstand gefährdet“, 208 S., geb., 19,99 EUR

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