Verstaatlichter Greenback

Seit 1945 rechnet die Weltwirtschaft in einem Geld, dem US-Dollar. Bis Anfang der 1970er Jahre war er das Geld des mächtigsten Finanzkontrolleurs, des Internationalen Währungsfonds (IWF). Mit dessen Entmachtung wurde der Dollar „privatisiert“. Die ins Kraut schießenden freien und globalen Finanzmärkte übernahmen ihn als „ihr“ Geld. Zwar verlor der Dollar massiv an Wert und zur D-Mark wurde er richtig billig: 1950 kostete ein Dollar 4,20 D-Mark, 1995 waren es nur noch 1,36 D-Mark — 2007 unterschritt der Euro mit 0,69 Cent sogar diese Marke. Der Dollar-Verbreitung im Ausland schadete das dennoch nicht. Bis zu 70 Prozent des Dollar-Umlaufs sind dort zu Hause oder werden als Ersparnis gehalten — mehr als in den USA. Das betrifft die offiziellen Währungsreserven der alten und neuen Weltmarktakteure: Opec, Japan, China, Indien und Rußland — aber auch die privaten Rücklagen der kleinen Leute in aller Welt. Chinesische Reisbauern, russische Familienväter, lateinamerikanische Plantagenarbeiter, afrikanische Händler, sie alle sehen im Greenback ihren Notgroschen, denn er ist besser als ihr einheimisches Geld. Keine andere Währung konnte ihm den Rang als Geld der Welt ablaufen, weder früher die D-Mark noch heute der Euro, dessen Verbreitung im wesentlichen auf Europa beschränkt bleibt. Und die Krise des US-Bankensystems? Sollten die USA demnächst doch mit einem erneuten Milliarden-Programm dieses vor dem Zusammenbruch retten, haben sie mit den Banken auch ihren Dollar verstaatlicht. Ein massiver Rücklauf der im Ausland gehaltenen Dollars ist dennoch nicht zu befürchten. Die Währungshüter müssen Verluste vermeiden. Und der Währungsverstand der kleinen Leute in aller Welt übertrifft ohnehin den vieler Finanzexperten.

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