Die sicherste Kapitalanlage

An der staatlichen Rettungsaktion für den privaten Baufinanzierungsriesen mit dem anglisierten Namen „Hypo Real Estate“ (HRE) überrascht erstens die Spontaneität, zweitens die Summe (insgesamt voraussichtlich 50 Milliarden Euro) und drittens die wenig überzeugende Begründung. Daß eine Hypothekenbank pleite geht, ist weder ein nationales Unglück noch eine Katastrophe für den Kapitalmarkt. Denn die Pfandbriefe dieser Bank sind real durch Hypotheken gedeckt, Schrott-Hypotheken (Subprime-Krise, JF 34/07) wie in den USA gibt es in Deutschland nicht. Deswegen bleiben die Papiere auch dann mündelsicher, wenn ihr Emittent von der Bildfläche verschwindet oder das Namensschild ändert: Die HRE gehörte früher zur HypoVereinsbank (HVB), die seit 2005 Tochter der italienischen UniCredit ist. Hauptaktionäre der HRE sind übrigens Investoren aus den USA und der Karibik. Zu einem Politikum für Bundesregierung, Bundesbank und Finanzaufsicht wird das Institut jedoch dadurch, da es sich 2007 auch die Deutsche Pfandbriefanstalt einverleibt hat. Die Depfa wurde 1922 als Preußische Landespfandbriefanstalt gegründet. Nach 1949 wechselten Name und Sitz nach Wiesbaden, Kommunalkredite wurden neues Geschäftsfeld. 1990 wurde die Depfa privatisiert, seit 2001 residierte sie im regulierungsarmen irischen Dublin. Depfa­-Pfandbriefe sind seit jeher die beliebteste, weil sicherste Deckung der Beamtenpensionen. Bundesfinanzminister Peer Steinbrück war also gut (und äußerst kompetent) beraten, als er, um ihre Auszahlung nicht zu gefährden, die staatliche Sanierung der Mutter anordnete. Dank dieser Weitsicht bleibt die Beamtenpension weiterhin — Finanzkrise her oder hin — die sicherste Kapitalanlage im Lande. Leider nicht für jeden.

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