Rückschlag für die Geothermienutzung

Auf der Suche nach alternativer Energie weckt die Geothermie Hoffnungen. Viele Projekte (JF 3/06) stehen am Oberrhein auf dem Papier, auf deutscher Seite für Freiburg und Bad Krozingen. Auf Eis gelegt wurde ein Projekt in Kehl, für Neuried wurden hingegen Planungen in Angriff genommen. In Sulz unterm Wald (Soutz-sous-Forêts), 50 Kilometer nördlich von Straßburg, arbeitet schon eine Versuchsanlage. Das angewandte Verfahren heißt "Hot Dry Rock" (HDR). Dabei wird Wasser mit Hochdruck in die Erde gepumpt, das sich seinen Weg durch Gesteinsspalten bahnt und dort erwärmt. Dieses Verfahren wurde auch in Basel-Land eingesetzt, wo es als erstes seinen kommerziellen Betrieb aufnehmen sollte – für 2.700 Haushalte.

Daß das HDR-Verfahren im deutsch-schweizerischen Grenzland ein Erdbeben der Stärke 3,4 ausgelöst hat, kam überraschend. Erinnerungen werden wach. Denn vor 550 Jahren wurde Basel durch ein Erdbeben zerstört. Der Ober-rheingraben ist noch nicht zur Ruhe gekommen. Für die Geothermienutzung bedeutet das größere Probleme als bisher angenommen. Wer weiß schon, wie es in mehreren tausend Metern Tiefe wirklich aussieht? Man wird am Oberrhein mit der Geothermie vorsichtiger werden. Wieder zeigt sich, es gibt keine Energieform, die einfach und sauber ist. Billig war die Geothermie ohnehin noch nicht, jetzt ist sie auch noch riskant. Daß die Risiken unterschätzt wurden, kostet Vertrauen in der Bevölkerung – von den entstandenen Sachschäden an Gebäuden nicht zu reden. Ausgeträumt? Das zu behaupten, ginge zum jetzigen Zeitpunkt zu weit. Aber der Realitätsdruck steigt, auf und unter der Erde. Zeit kostet das allemal. Das haben Rückschläge so an sich.


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