Joachim Kuhs

 

Die Plünderung Alaskas beginnt

Schon in den siebziger Jahren war viel davon die Rede, daß der Öl-Hunger der Menschheit auch vor der unberührten Natur in entlegenen Regionen der Erde nicht haltmachen wird. Dann kamen die, die alles besser wußten: Das Öl reicht quasi ewig. Es gibt keine Grenzen des Wachstums, alles Blödsinn. Nun ist es soweit: Die US-Regierung hat Teile der größten Wildnis Alaskas für die Erkundung von Erdöl- und Gasvorkommen freigegeben. Es geht um das National Petroleum Reserve – Alaska (NPRA), das mit 93.000 Quadratkilometern fast so groß ist wie Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen zusammengenommen. Hier leben Karibus und ungezählte Greif-, Wasser- und Küstenvögel, Hunderte Grizzlybären und viele der in ihrem Bestand gefährdeten Wölfe, wie National Geographic berichtet. Die Öl- und Gasfelder werden hier ihre Spuren hinterlassen. Naturschützer wehren sich deshalb. Aber wenn die USA schon vor Kriegen um Öl nicht zurückschrecken, warum dann vor der Gefährdung einer einzigartigen Wildnis? Kein US-Präsident wird sich der Ölförderung entziehen können, auch der „grüne“ Al Gore nicht. Die Nachfrage ist da und muß gestillt werden. Das National Research Council kam 2003 zu dem Schluß, daß der größte Teil der Tundra wegen der äußerst hohen Kosten und der mangelnden Kontrolle nie restauriert werden wird. Pläne für eine Renaturierung gibt es dann auch nicht für die Zeit, wenn alles Öl und Gas aus dem Boden geholt sein wird. Der Kahlfraß an der Erde, um nicht zu sagen die Plünderung, geht weiter. Ein Ende der Schreckensbilanzen ist nicht in Sicht, allen Effizienzrevolutionen, allem Bewußtseinswandel zum Trotz. Besuchen Sie die Arktis, solange sie noch unberührt ist.

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