Kindisches Rentenreformmodell

Die CSU hat eine Reform der Gesetzlichen Rentenversi-cherung (GRV) vorgeschlagen, mit der Beitragszahler mit Kindern eine Besserstellung gegenüber den kinderlosen Versicherungspflichten erhalten sollen. Konkret ist geplant, die Beitragszahlungsverpflichtung monatlich um 50 Euro pro Kind zu senken. Zusätzlich sollen die Rentner später eine Zusatzzahlung von 130 Euro für jedes von ihnen großgezogene Kind erhalten. Beides gilt ab dem Stichjahr 2005, die Rentenerhöhung gilt also auch erst für Kinder, die ab 2005 geboren werden. Das klingt kinderfreundlich. Mehr aber auch nicht. Zu kritisieren ist dabei weniger, daß sich die CSU-Vorstellungen eklatant von denen der Schwesterpartei CDU unterscheiden und das x-te Modell zur Rettung des staatlichen Rentensystems unterbreitet wird. Ärgerlich ist vor allem die Willkür der Zahlen, deren vorgespiegelte Gültigkeit weit in die Zukunft hineinragt. Sicher wäre allein eine Senkung des Beitragseinkommens der Rentenanstalten ab dem übernächsten Jahr. Welche Rentenhöhen ab 2050, dem potentiell ersten Jahr der Kinderzusatzrentenleistung, tatsächlich noch geleistet werden können, bleibt reine Spekulation. Sinnvoll ist an dem CSU-Plan allenfalls die Verringerung der Zahlungen, die in das marode staatliche Rentensystem geleistet werden müssen. Dieses Geld sollte vollständig in eine lukrativere Kapitalanlage zur Sicherung des Alterseinkommens überführt werden. Die – wenn auch nur teilweise – Befreiung aus der GRV-Pflicht wäre der eigentliche Dienst an den Kinderreichen und eine empfindliche Bestrafung der Kinderlosen. Zur Rettung des Rentensystems trägt das jedoch ebensowenig bei wie zur Steigerung der Geburtenrate.

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