Joachim Kuhs

 

Der Pfandsieg im Dosenkrieg

Der Präsident der EU-Kom mission, der Italiener Romano Prodi, hat nach Intervention von Bundeskanzler Gerhard Schröder vorerst auf eine Prüfung verzichtet, ob beim deutschen Dosenpfandsystem ein Verfahren wegen Behinderung des EU-Binnenmarktes einzuleiten ist. Hintergrund ist die Benachteiligung anderer europäischer Getränkedosenhersteller beim gleichzeitig angelaufenen System der „vereinfachten Rückgabe“ pfandbelasteter Leerdosen. Diese können nun zwar bundesweit verkaufsstellenunabhängig zurückgegeben werden, aber nur wenn sie von deutschen Getränkeproduzenten stammen. Das Lamento der deutschen Dosenproduzenten: „Die Dose ist tot“, weil als Getränkebehälter nunmehr unattraktiv, überzeugt nicht. Dosen sind schon sehr praktisch, und wer einmal ein skandinavisches Land besucht hat, kennt das Dosenrückgabesystem – weit überwiegend in Form von Rückgabeautomaten – als funktionierendes Verfahren der Umweltentlastung. Allerdings verweigern diese Automaten beharrlich die Annahme von mitgebrachten deutschen Dosen. Und das war gut, solange in Deutschland auch kein Dosenpfand gezahlt werden mußte. Mit Sicherheit hätten sich in kurzer Zeit halbkriminelle Banden von Dosenmülltouristen organisiert. Andererseits darf zwischen den europäischen Produzenten nicht diskriminiert werden. Die Lösung dieses Dilemmas erfordert – wie so häufig im EU-System – eine EU-weite Regelung des Dosenpfandsystems. Selbstverständlich mit EU-weit gültigen Pfandhöhen. Bis dahin können die Deutschen wenigstens die skandinavische Dosensauberkeit genießen: keine deutschen Leerdosen in deutschen Landschaften – nur ausländische Büchsen.

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