Wie spät ist es?

Die Achtundsechziger wollten sie zertrümmern, und Oskar Lafontaine verhöhnte sie als „Sekundärtugenden“: jene bürgerlichen Werte wie Fleiß, Disziplin und Pünktlichkeit. In der JUNGEN FREIHEIT hingegen werden sie seit jeher nicht nur verbal hochgehalten, sondern auch im Alltag gelebt. Nehmen wir zum Beispiel die Pünktlichkeit: Konferenzen und Besprechungen finden selbstverständlich zu der vereinbarten Uhrzeit statt, weder zwei Minuten früher noch fünf Minuten später, ganz zu schweigen vom Akademischen Viertel, schließlich liegen unsere universitären Tage auch schon eine Weile zurück.

Schwierig wird es mit der Pünktlichkeit nur dann, wenn sämtliche verfügbaren Uhren eine andere Zeit anzeigen. Und wir haben jede Menge Uhren um uns herum, wir sind nahezu umzingelt von Uhren! Angefangen natürlich von Armbanduhren über die Zeitanzeigen im Computer und im Telefon auf den Schreibtischen bis hin zu den Wanduhren im Empfangssekretariat und im Konferenzraum. Nicht daß alle diese Uhren nach dem Mond gehen, aber ein, zwei Minuten Abweichung voneinander reichen ja schon, um mit leichter Verspätung zur Redaktionsbesprechung zu erscheinen. Mißbilligenden Blicken der wartenden Kollegen wird dann von den Zuspätkommern nicht selten mit dem Satz begegnet: „Moment, auf meiner Uhr ist es aber jetzt erst …“

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