Christen in der Offensive

Im Juni findet der diesjährige Evangelische Kirchentag statt. Neuesten Meldungen zufolge beziehen die Veranstalter beim Programm erneut Vertreter des Islam mit ein, und Besuchern blüht ein breiter religiöser Relativismus, der als „Toleranz“ verbrämt wird, aber die Kapitulation der Kirche bedeutet: ein Höllentrip für Gläubige. Doch es gibt immer wieder Anzeichen der Umkehr. Am vergangenen Samstag endete in Leipzig ein hoffnungsvolles Treffen: 3.500 Teilnehmer zählte der seit 1999 zweijährlich durchgeführte Kongreß Christlicher Führungskräfte (siehe auch Seite 5). Initiatoren sind die konservativ-evangelische Nachrichtenagentur idea und die Firma Tempus-Zeitplansysteme. Unternehmer, Selbständige und leitende Angestellte, inzwischen nicht nur mehr aus dem pietistisch-evangelikalen Bereich, sondern auch aus allen evangelischen Landeskirchen suchen hier Begegnung und missionarische Stärkung. Idea-Chefredakteur Helmut Matthies zog eine ernüchternde Bilanz und dämpfte die Erwartungen auf eine baldige Remissionierung Deutschlands. Die Zahl der Kirchenmitglieder bleibe allen Missionsanstrengungen zum Trotz weiter rückläufig, während der Atheismus eine regelrechte Renaissance in den Medien feiere und der Islam auf dem ungebremsten Vormarsch sei. Dennoch gibt es Indizien, die optimistisch stimmen können. Der populäre ZDF-Moderator Peter Hahne lieferte ein solches: Er schrieb ein kleines Buch „Schluß mit Lustig“, in dem er mit dem Werteverfall seit 1968 abrechnet und für eine Besinnung auf religiöse und kulturelle Wurzeln plädiert. Monatelang führt dieses im Oktober 2004 in einem pietistischen Verlag erschienene Buch die Bestsellerlisten an. Inzwischen ist es in 79 Auflagen etwa 900.000 Mal verkauft worden. Peter Hahne breitet in Leipzig die Arme aus, zitiert Ernst Jünger und seinen Lehrer Hans Georg Gadamer und ruft donnernd in den Saal: „Fürchtet Euch nicht!“ Unsere Zeit erlebe einen Rückfall ins heidnische Mittelalter, die Astrologie habe Hochkonjunktur, jeder sinnstiftende esoterische Strohhalm werde ergriffen, um sich notdürftig über Wasser zu halten. Deutschland sei tatsächlich nicht auf dem Weg zu Multikulti, sondern zu Monokulti: Die Christen verschwänden, und in der Zukunft blühe die alleinige Dominanz des Islam in Europa. Hahne erklärt, er fürchte nicht die Stärke des Islam, sondern die Schwäche des Christentums. Eindringlich fordert Hahne die konsequente Rückbesinnung darauf, was „uns stark gemacht“ hat, was „unsere Wurzeln“ seien. Hier spricht nicht nur der bekennende Christ, sondern der Patriot, der sich um das kulturelle Überleben seiner Nation sorgt. Es wäre erfreulich, wenn endlich die Zeit vorbei ist, in der sich das fromme Christentum dadurch auszeichnet, daß es sich in die stillen Kämmerchen verkriecht. Das geforderte öffentliche christliche Bekenntnis („Wer nun mich bekennt vor den Menschen, den will ich auch bekennen vor meinem himmlischen Vater.“ Mt 10, 32) verdichtet sich zu einem politisch-gesellschaftlichen. Diese angriffslustige Haltung ist überfällig. Hier kristallisiert sich der „harte Kern“ heraus, der nach der Noelle-Neumannschen Theorie dem Druck der Schweigespirale widersteht und gesellschaftliche Wenden einleiten kann.

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