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Berliner Stadtschloß

Architektur ist das Antlitz eines Staates. Wie das menschliche Gesicht durch seine Kontur, seine Augen, seine Falten, seine Haltung den Charakter einer Person widerspiegelt, so ist sie Spiegelbild des Selbstverständnisses eines Gemeinwesens. Jede Kultur hat zu ihrer Zeit versucht, ihrem Selbstverständnis durch die Ausrichtung ihrer Baukunst Ausdruck zu verleihen. Ein Land nun, das wie Deutschland mit der Frage ringt, welche Rolle ihm selbst als geschichtlichem Subjekt noch zufällt, ja, ob es überhaupt eine spezifisch nationale Zukunft gibt, ringt um architektonische Fassung, wie ein Menschen um Haltung, dessen Selbstbewußtsein erschüttert ist. So zaghaft und komplexbeladen seit der Wiedervereinigung die Frage um die Zukunft der deutschen Nation in einem zusammenwachsenden Europa diskutiert wird, so gehemmt nimmt sich die Debatte um die Wiederherstellung des historischen Antlitzes der Hauptstadt aus. Die von Ulbricht veranlaßte Sprengung des Hohenzollernschlosses gilt manchem immer noch als aufklärerischer Akt, die von Bürgern gewünschte Wiederherstellung hingegen als Rückfall in dunkle Zeiten. Nachdem das Land Berlin am vergangenen Montag endlich zugesagt hat, 32 Millionen Euro der Kosten zu übernehmen, hat Bundesbauminister Tiefensee verlauten lassen, nun sei das „Tor aufgestoßen“ zum Schloßaufbau. Herauskristallisiert hat sich als Minimum bislang der Aufbau von Schloßfassade und Kuppel. Streit wird es noch um die Nutzung geben und um den Grad der Rekonstruktion der Innenräume. Schon jetzt werden die Kosten auf eine halbe Milliarde Euro beziffert. Sicher ist aber, die letzten Widerstände gegen den Wiederaufbau sind weggeräumt. Das ist erst einmal ein phantastischer Erfolg für die Enthusiasten um Wilhelm von Boddien, der 1992 den Förderverein Berliner Schloß gründete und 1993 die Öffentlichkeit durch den Aufbau einer maßstabsgetreuen Schloßattrappe für das Projekt einnahm. Es ist solch unermüdlichen Optimisten zu verdanken, wenn sich in unserem Land etwas zum Besseren wendet. Der Wiederaufbau der Frauenkirche in Dresden hat hierfür bereits ein leuchtendes Beispiel gesetzt. Jetzt geht es „nur noch“ um die Interpretation des Baus. Daß der Fortschritt beim Stadtschloß nur in Etappen zu haben ist, wird sich zeigen. Natürlich ist die Nutzung des Schlosses für die „außereuropäischen Sammlungen“ der Stiftung Preußischer Kulturbesitz politisch korrekter Humbug und ein Kotau vor dem Zeitgeist – ebenso wie der Wunsch des Ministers, die Gestaltung des Inneren müsse unbedingt das „Spannungsverhältnis zwischen dem 19. Jahrhundert und dem wechselvollen 20. Jahrhundert widerspiegeln“. Vielleicht ist endlich einmal Schluß mit dem „Gebrochenen“, „Verfremdeten“, „irgendwie Anderen und Neuen“. Das Schloß ist das Herz des preußisch geprägten Deutschland. Es wird wieder zu schlagen beginnen. Informationen: Förderverein Berliner Schloss e.V., Postfach 56 02 20, 22551 Hamburg, www.berliner-schloss.de

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