Falke statt Taube

Vor etwa zweieinhalb Monaten, als Amir Peretz, Chef der israelischen Arbeitspartei, zum Verteidigungsminister ernannt wurde, stellte er wohl nicht mehr als eine Kompromißlösung dar. Für die Schlüsselressorts Äußeres und Finanzen schien er denkbar ungeeignet; blieb also aus Sicht des neuen israelischen Premierministers Ehud Olmert nur das Verteidigungsministerium, für das der Ex-Gewerkschafter auch nicht gerade prädestiniert schien sieht man einmal von seinem Einsatz im Jom-Kippur-Krieg 1973 ab, wo er als Offizier der Fallschirmjäger schwer verletzt wurde. Olmert ahnte wohl nicht, wie schnell eben jener Peretz in den Blickpunkt der Weltöffentlichkeit rücken sollte, und zwar als ausgesprochener Falke, dem die laufenden Militärkampagnen im Gazastreifen und im Libanon nicht weit genug gehen können. Ganz unmißverständlich hat er Hisbollah-Chef Hassan Nasrallah zu verstehen gegeben, daß er ihn liquidieren will. Das sind Töne, die man von Peretz bisher nicht gewohnt war; vielen ist der 1952 in Marokko geborene Peretz (eigentlich Armand Peretz) noch als „Friedenstaube“ in Erinnerung. Daß seine Karriere ihn einmal an die Spitze der israelischen Armee führen würde, ist ungewöhnlich genug, war er doch bis 1983 Hilfsarbeiter in einem Kibbuz. Trotz seiner Verwundung schaffte er es auf die Universität und wurde dann als Politiker tätig. 1983 gewann er für die Arbeitspartei die Bürgermeisterwahl in Sderot nahe Gaza. 1988 wurde Peretz schließlich Abgeordneter in der Knesset und in der Folge als Mitglied „der Acht“ bekannt, einer äußerst linken Strömung innerhalb der Arbeitspartei. Diese Gruppe forderte unter anderem den vollständigen Rückzug der israelischen Armee aus allen besetzten Gebieten und trat folgerichtig für die „Zwei-Staaten-Lösung“ ein. Mit anderen Worten: Peretz befürwortete damals einen eigenen palästinensischen Staat. In den neunziger Jahren änderte sich sein Betätigungsfeld vorübergehend: Im Dezember 1995 wurde Peretz Vorsitzender des israelischen Gewerkschaftsbundes Histadrut. Unter seiner Führung setzte die Histadrut zwar für die jüdischen Siedler in den besetzten Gebieten gewerkschaftliche Rechte durch, verweigerte sie aber den Palästinensern: Auch für diejenigen palästinensischen Arbeiter, die in israelischen Fabriken in der Regel ohne gesicherte Rechte arbeiteten, unternahm die Histadrut wenig bis nichts. 1999 verließ Peretz die Arbeitspartei und gründete die Partei Am Echad, die sich 2004, nachdem sie 2003 drei Sitze in der Knesset erringen konnte, mit der Arbeitspartei vereinigte. Als Peretz am 10. November 2005 an die Spitze der Arbeitspartei gewählt wurde und sich dabei gegen Schimon Peres durchsetzen konnte, war die Reaktion in den arabischen Nachbarländern eher positiv. Offensichtlich hatte man übersehen, daß sich Amir Peretz im Laufe der Zeit gewandelt hat und sich in Fragen der militärischen Sicherheit Israels kaum mehr von den Positionen Ehud Olmerts und seiner Kadima-Partei unterscheidet.

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