Joachim Kuhs

 

Abschied von einem Patrioten

Wolfgang Venohr starb am 26. Januar 2005 nach langer, schwerer Krankheit. Uns erreichte die Nachricht mitten in den Vorbereitungen für eine umfangreiche Festschrift zu Ehren des großen Publizisten. Er wäre am 15. April 80 Jahre alt geworden. Durch seine Krankheit ist er in den letzten Jahren stärker in den Hintergrund getreten und hat sich immer seltener öffentlich geäußert. Sein letztes Werk als Buchautor, der zweite Band seiner Autobiographie („Die Abwehrschlacht – Jugenderinnerungen 1940-1955“), erschien im Verlag der JUNGEN FREIHEIT. Besuchte man ihn zu Hause, trat einem bis zuletzt ein hoch aufgerichteter Mann entgegen, der Krankheit bissig-preußisch trotzend. Seine Haltung war die eines Soldaten. Er diente seinem Land. Vom ersten Moment seiner journalistischen Aktivitäten setzte er alle seine Energien für die Wiedergewinnung der deutschen Einheit ein. Mir ist kein Publizist bekannt, der derartig leidenschaftlich für die deutsche Wiedervereinigung gekämpft hätte wie Wolfgang Venohr. Mir bleibt unvergessen, wie ich 1982 als 14jähriger Schüler in einem Hamburger Kaufhaus auf das Venohr-Buch mit dem prophetischen Titel „Die deutsche Einheit kommt bestimmt“ stieß. Der dort verkündete unbekümmerte Optimismus, gegen den bleiern auf dem gespaltenen Land lastenden Status quo und das Appeasement der politischen Klasse anzukämpfen, riß mich mit. Venohr ist mitverantwortlich dafür, daß ich mich kurz darauf politisch zu engagieren begann. Der Patriotismus von Wolfgang Venohr stand weder „links“ noch „rechts“. Bei seinem Engagement für die Wiedervereinigung führte er von Links (Peter Brandt, Herbert Ammon, Theodor Schweisfurth) bis Rechts (Günther Kießling, Harald Rüddenklau) diejenigen zusammen, die die deutsche Einheit wieder auf die Tagesordnung setzen wollten. Gegen große Widerstände: Helmut Kohl sorgte dafür, daß Verleger Lübbe eine weitere Auflage des provokativen Bandes stoppte. Einst war es üblich, im Angesicht des Todes alten Streit ruhen zu lassen. Wie schon nach dem Tode des Journalisten Carl Gustaf Ströhm hat der Springer-Verlag im Fall von Wolfgang Venohr demonstriert, wie weit fortgeschritten der Verfall der Sitten in diesem Haus ist, das unter dem Verleger Axel Springer (1985 gestorben) groß wurde. Im vergangenen Jahr verweigerte der Springer-Verlag selbst nach Intervention der Familie Ströhm die Herausgabe von Bildern aus Ströhms dreißigjähriger Tätigkeit als Welt-Osteuropa-Korrespondent an die JUNGE FREIHEIT – aus politischen Gründen. Vergangene Woche nun gab diese Zeitung Todesanzeigen zur Schaltung in FAZ und Welt in Auftrag. Die FAZ brachte unsere Anzeige, in der Welt fehlte sie. Sie stand bereits im Blatt, wurde aber aus politischen Gründen wieder gestrichen. Welt-Redakteure reagieren mit Kopfschütteln auf diesen Akt der Zensur, wie wir erfuhren. Verlagschef Mathias Döpfner lehnt bis zur Stunde eine Stellungnahme zu diesem beschämenden Vorfall ab. Ausführliche Nachrufe auf den Seiten 4 und 5

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