Sonntag eines Verlegers

Die heutige Ehrung und Laudatio nehme ich mit Dank und auch Überraschung entgegen. Meine publizistische Arbeit seit nunmehr fast 50 Jahren empfand ich immer als ganz normale verlegerische und unternehmerische Aufgabe, auch wenn die jeweilige Gegenwart, in der die Bücher vieler namhafter Autoren erschienen, dem Verleger dieser Bücher nicht selten böswillige Kritik und Verunglimpfung durch die Medien des unter Political Correctness leidenden Zeitgeistes einbrachte.

Bestimmte Autoren und Bücher zu verlegen, galt als "amoralisch", und aggressive Kritik mußte ausgehalten werden.

So betrachte ich mich weder als Opfer noch als Helden, sondern als Unternehmer, der versucht, verdrängte Wahrheiten und Texte einer möglichst großen Öffentlichkeit nahezubringen oder, wie bei einer Demonstration gegen unsere Verlagsauslieferung in Gütersloh Bündnis 90/Grüne auch im Bundestag warnten: Durch Fleissner würden Bücher und Themen "in die Mitte der Gesellschaft" gebracht, wo sie nicht hingehören (MdB Buntenbach 1998).

Aber Bücher haben nun einmal, was die alten Römer schon wußten, ein eigenes Leben, und ihr Nachhaltigkeitseffekt führt zu neuen Perspektiven aus den Erfahrungen der Geschichte.

Die heutige Ehrung freut mich auch deswegen, weil damit auch jene Autoren, an die ich mich gerne erinnere und die auch mein Meinungsbild prägten, mit ausgezeichnet werden. Wie z.B. Winfried Martini ("Der Sieger schreibt die Geschichte"), Otto Miksche ("Das Ende der Gegenwart"), Alfred Dregger ("Der Preis der Freiheit"), Otto v. Habsburg ("Die Reichsidee" – "Europa mehr als ein Markt") und die vielen literarischen Autoren, voran Joachim Fernau, Ephraim Kishon, Christine Brückner, Barbara Noack, Wilhelm Pleyer, Venatier ("Der Major und die Stiere") und in den letzten Jahrzehnten Konrad Löw ("Mythos Marx und seine Macher"), Ernst Nolte ("Der europäische Bürgerkrieg"), Erich Mende ("Das verdammte Gewissen"), Wenzel Jaksch ("Europas Weg nach Potsdam"), Herbert Hupka ("Unruhiges Gewissen"), um nur einige zu nennen. Sie alle seien in diese Ehrung mit eingeschlossen, für die ich stellvertretend heute hier stehe. Diese Namen waren Gegenpol zu den ideologischen Krämpfen der sogenannten Frankfurter neomarxistischen Schule, die ein multikulturelles Weltbild für die Deutschen in Soziologendeutsch verordneten. So gesehen mußte diese Verlagsarbeit mit Recht schärfste Kritik erfahren. Vor allem das Feuilleton der Zeit warnte vor einer "Gefahr von rechts". Nach Erscheinen von Alexander Solschenizyns "August 1914" wurde meine literarische Steinigung verbrämt mit der Seitenüberschrift "Der Sonntag eines Verlegers".

Heute ist wieder "Der Sonntag eines Verlegers", den ich mit besonderer Freude erlebe, weil er unter dem Zeichen meines verehrten Autors und ich darf sagen, Freundes Gerhard Löwenthal, steht. Sein Buch "Ich bin geblieben" durfte ich 1987 veröffentlichen, und es erlebte gleich eine zweite Auflage. Weit über die Tagesaktualität hinaus reichen die persönlichen und zeitgeschichtlichen Erfahrungen eines politischen Lebens; gültige Antworten auf brennende Fragen.

Löwenthal: "Wir Deutsche dürfen das Unaussprechliche (gemeint ist der Holocaust) eben nicht als Hypothek betrachten, die irgendwann gelöscht werden kann, sondern müssen dies als Teil der Geschichte akzeptieren. Das Einbeziehen beider Seiten guter und schlechter Epochen in das gesamte Geschichtsbild müssen alle betreiben, auch die jüngeren Generation und die Nachwachsenden, die natürlich keine persönliche Schuldzuweisung treffen kann. Die zweite Frage ist die Erinnerung an diese Zeit, an die meiner Familie und Millionen angetaner Greuel, bleibt eine alte, gelegentlich neu aufbrechende Wunde. Vergessen kann ich das nicht, vergeben aber kann jeder Mensch nur Unrecht, das ihm persönlich zugefügt wurde. Woher sollte ich das Recht nehmen, Untaten zu vergeben, die anderen angetan wurden. Allein in Gottes Hand liegt das Recht dazu, denn er hat sich das Recht zur Vergeltung auch selbst vorbehalten. So steht es im 5. Buch Mose. ‚Mein ist die Rache, spricht der Herr‘."

Gerhard Löwenthal hat sein Buch "Ich bin geblieben" seiner Frau Ingeborg gewidmet, der er – wie er schrieb – manchen Sturm zugemutet hat, deren Klugheit, Tapferkeit und Leidensfähigkeit er allzuoft strapaziert habe und ohne deren Geduld dieses Buch nicht zustande gekommen wäre. Heute, als Verleger, darf ich diesen ganz persönlichen Dank nachholen. (…)

Fotos: Thorsten Hinz (l.) mit Günter Zehm: "Ich habe festgestellt, daß man über fast jedes wichtige Problem der Gegenwart nur angemessen schreiben kann, wenn man gleichzeitig die Vergangenheit scharf in den Blick nimmt. Denn das Herzstück des falschen Bewußtseins, an dem Deutschland letztlich krankt, ist ein verengtes Geschichtsbild."

Herbert Fleissner (Mitte) nimmt den Gerhard-Löwenthal-Ehrenpreis für Publizisten entgegen, neben ihm das Preiskomitee aus Fritz Schenk, Ingeborg Löwenthal und Dieter Stein (v.l.n.r.): In Zukunft soll der Löwenthal-Preis für Journalisten alljährlich im Dezember verliehen werden

JF-Chefredakteur Dieter Stein, Herbert Fleissner (r.) und Fritz Schenk bei der Ehrung

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