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Demonstration gegen Ukraine-Krieg: „Ich bin hier, weil mein Land in Flammen steht“

Demonstration gegen Ukraine-Krieg: „Ich bin hier, weil mein Land in Flammen steht“

Demonstration gegen Ukraine-Krieg: „Ich bin hier, weil mein Land in Flammen steht“

Zahlreiche Demonstranten protestieren in Berlin gegen den Ukraine-Krieg
Zahlreiche Demonstranten protestieren in Berlin gegen den Ukraine-Krieg
Zahlreiche Demonstranten protestieren in Berlin gegen den Ukraine-Krieg Foto: picture alliance/dpa | Jörg Carstensen
Demonstration gegen Ukraine-Krieg
 

„Ich bin hier, weil mein Land in Flammen steht“

Und während Bundeskanzler Scholz mit markigen Worten um 11 Uhr in seiner Regierungserklärung sagt, daß er den Wehretat per Sondervermögen 2022 um 100 Milliarden erhöhen werde, spazieren bei gleißendem Sonnenschein am Sonntag tausende Demonstranten Richtung Brandenburger Tor und weiter zur Siegessäule. Eine Friedensdemonstration. Deutsche, Ukrainer, Polen, aber auch Russen sind auf den Beinen und zeigen ihre Solidarität mit der Ukraine.

Die Stimmung ähnelt einem Sonntagsspaziergang
Die Stimmung ähnelt einem Sonntagsspaziergang Foto: Martina Meckelein

„Ich hatte noch nie das Gefühl, mit solch einer Berechtigung auf eine Demo zu gehen“, sagt ein Mann zu seiner Begleiterin. Gewerkschaften, Kirchen und Umweltschutzorganisationen haben zu der Demonstration unter dem Motto „Stoppt den Krieg. Frieden für die Ukraine und Europa“ aufgerufen. Sie rechnen mit 20.000 Teilnehmern – ein Irrtum, wie sich später herausstellt – es werden sehr viel mehr. Die Stimmung ähnelt einem Sonntagsspaziergang. Viele junge Familien mit Kinderwagen sind zu sehen. Im Tiergarten spielen die Kleinen mit Stöcken. Herrchen und Frauchen führen ihre Hunde mit, manche tragen am Halsband gelb-blaue Halstücher. Viele Radler schieben und zwängen sich durch die Menschenmassen.

„Wir haben Kriegsrecht, da gibt es für niemanden Sicherheit“

„Ich bin hier, weil mein Land in Flammen steht“, sagt Oksana Seumenicht. Die Nuklearphysikerin stammt aus Kiew, lebt mit ihrer Familie in Berlin. Gemeinsam mit ihren Töchtern steht sie jetzt am Brandenburger Tor. „Damit, daß die ukrainischen Kräfte so stark kämpfen, damit hat Putin nicht gerechnet“, sagt sie. „Deshalb kommt der Vormarsch ins Stocken, die Russen sind ja auch nicht gerade für ihre gute Planung bekannt.“ Sie sorgt sich um ihre Tante. Die habe am Samstag aus Kiew flüchten können, sie sei in einem Dorf untergekommen.

„Wir haben Kriegsrecht, da gibt es für niemanden Sicherheit.“ Daß Deutschland den Luftraum für russische Flieger sperrt, hält Seumenicht für konsequent und richtig. „Das ist nicht nur für die Ukraine, sondern für ganz Europa eine Sicherheitsfrage. Allerdings hätte ich mir schnellere Entscheidungen der deutschen Regierung gewünscht.“ Seumenicht sieht die Atomreaktoren in der Ukraine in Gefahr. „Über 50 Prozent der Energie wird in der Ukraine von 15 Atomkraftwerken produziert. Angeblich sei heute ein Forschungsreaktor in der Kiewer Uni durch eine Rakete getroffen worden. Ob das stimmt? Ich weiß es nicht.“

Einhundert- bis fünfhunderttausend Teilnehmer

Im Tiergarten steht eine Gruppe älterer Leute etwas abseits. Ein Ukrainer schüttelt immer wieder ungläubig den Kopf: „Es ist kaum zu glauben, daß so viele hier sind und sich mit dem ukrainischen Volk solidarisieren“, übersetzt seine deutsche Bekannte. Er glaubt, daß die Berichterstattung der Presse die vielen Menschen auf die Straße gebracht hat. „Und jetzt verstehen auch die Regierungen, daß sie etwas tun müssen.“

Oksana Seumenicht demonstriert mit ihren Töchtern
Oksana Seumenicht demonstriert mit ihren Töchtern Foto: Martina Meckelein

Auf der Straße des 17. Juni gibt ein Ordner durch: „An alle, die zum Stern wollen – es bringt nichts, ihr werdet nur zurückgeschickt. Wir sind mehr als 500.000 Menschen.“ Eine Frau fragt ungläubig: „Wieviele?“ Er schaut sie an und sagt: „Eine halbe Million.“ Die Berliner Polizei wird später von einer „unteren sechsstelligen Zahl“ sprechen. Im nahen Umkreis klatschen die Menschen. Derweil eine Stimme eines Redners aus den Lautsprechern, die an der Straße des 17. Juni aufgebaut sind, zu hören ist. Der Mann sagt: „Das einzige, was hilft, ist kontrollierte Abrüstung.“ Jedenfalls im Umfeld dieses Lautsprechers gibt es für diese Auffassung keinen Beifall.

„Der Putin wird jetzt einknicken“

Eine Dame im Rollstuhl wollte eigentlich vor die russische Botschaft. „Aber da ist ja gar kein Durchkommen mehr, alles großräumig abgesperrt.“ Dort, Unter den Linden, stehen die Hamburger Gitter und die Polizei. „Der Putin wird jetzt einknicken“, ist sich ein älterer Herr sicher. „Mit der geballten Solidarität aller Länder hat er nicht gerechnet.“ Auf den Hinweis, daß Putin Medien zufolge gerade die russischen Atomstreitkräfte in Alarmbereitschaft versetzt habe, schaut er nur noch ungläubig und sagt dann: „Okay, wenn es wirklich losgeht, dann haben wir sowieso nur noch ein paar Minuten.“

Am Bahnhof Friedrichstraße wird es laut. Ein Demozug der Linksextremisten mit Anarcho-Flaggen marschiert auf. Sie brüllen: „Nie, nie, nie wieder Deutschland.“

Hunderttausende gingen auch in anderen europäischen Großstädten auf die Straße

Auch in zahlreichen anderen deutschen Städten, aber auch unzähligen europäischen Metropolen gingen Hunderttausende auf die Straße, um für Frieden und Solidarität mit der Ukraine zu demonstrieren.

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Weitere Berichte, Reportagen und Hintergründe über die innen- und außenpolitischen Auswirkungen des Ukraine-Kriegs lesen Sie in der kommenden Ausgabe der JUNGEN FREIHEIT.

Zahlreiche Demonstranten protestieren in Berlin gegen den Ukraine-Krieg Foto: picture alliance/dpa | Jörg Carstensen
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