Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU, l.) und der Trainer vom 1. FC Köln, Steffen Baumgart
Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU, l.) und der Trainer vom 1. FC Köln, Steffen Baumgart Fotos: picture alliance / Promediafoto | Michael Deines/PROMEDIAFOTO / SvenSimon | Frank Hoermann/SVEN SIMON / JF-Montage

„Politiker drehen es, wie sie es wollen“
 

Streit um Impfpflicht: Köln-Trainer Baumgart kontert Söder

Daß sich Politiker zum Profi-Fußball äußern, gern auch mal belehrend, ist nicht erst seit Corona-Zeiten so. Doch da sich die verschiedensten Maßnahmen und Auflagen wie Zugangs- und Abstandsbeschränkungen vor allem auf Massenveranstaltungen wie Bundesligaspiele auswirken, hat nicht nur die Häufigkeit, sondern auch die Übergriffigkeit der politischen Ratschläge deutlich zugenommen. Das hat nicht zuletzt die hitzige Debatte um den Impfstatus von National- und Bayern-Spieler Joshua Kimmich eindrucksvoll bewiesen.

Daß sich Spieler und Trainer aus der Bundesliga zu politischen Fragen äußern, ist, mit Ausnahme von Freiburg-Coach Christian Streich, – Experte für Kalenderspruch-Weisheiten sowie dankbare Verbindungsbrücke zwischen profitorientiertem Fußballgeschäft und fußballfremder Haltungsgesellschaft – glücklicherweise zumeist noch die Ausnahme.

Söder pro Impfpflicht

Warum auch? Schließlich stellt sich die Frage, aufgrund welcher Kompetenz sich beispielsweise ein Topstürmer zum Politikexperten aufschwingen sollte, nicht ganz zu unrecht. Außerdem ist es schon anstrengend genug, wenn Hinterbänkler aus dem Parlamentsbetrieb meinen, in Boulevardblättern den Sportkommentator mimen zu müssen.

Steffen Baumgart ist allerdings ein anderes Kaliber. Der Trainer des 1. FC Köln ist bekannt dafür, aus seinem Herzen keine Mördergrube zu machen und zu sagen, was er denkt – und zwar ohne dabei ein Blatt vor den Mund zu nehmen. Deswegen ist es auch wenig überraschend, daß von allen 18 Trainern der 1. Bundesliga ausgerechnet er Markus Söder nun Contra gibt.

Denn der bayerische Ministerpräsident hatte Anfang der Woche eine Impfpflicht für Bundesligaprofis gefordert. „Ich bin auch dafür, daß wir über eine Impfpflicht in den Bereichen nachdenken, wo wir ohnehin nur 2G haben und manche sich nicht engagieren. Ich denke, es wäre ein gutes Signal, daß wir so etwas auch für den Fußballbereich diskutieren, als Signal auch der Einheit zwischen Fans und Spielern“, diktierte der bekennende FC-Nürnberg-Fan Söder der Bild-Zeitung in den Block.

Tackling gegen Söder und Lauterbach

Die passende Antwort Baumgarts, der im Sommer vom Zweitligisten FC Paderborn an den Rhein gewechselt war und dort in kürzester Zeit zum Publikumsliebling avancierte, ließ nicht lange auf sich warten. „Ich finde die Politiker super. Warum finde ich Politiker super? Weil sie es immer drehen, wie sie es wollen“, schoß Baumgart via Bild zurück, um sogleich den nächsten Pfeil Richtung des CSU-Chefs und Herzens-Clubberers abzufeuern. „Ich weiß gar nicht, wie oft Herr Söder eine Meinung geändert hat.“

Damit nicht genug, knöpfte sich der FC-Trainer auch gleich Talkshow-Spitzenreiter und Maßnahmen-Meister Karl Lauterbach von der SPD vor. „Wie heißt unser junger Mann mit der Fliege? Ja, Herr Lauterbach. Ich habe das Gefühl, daß es keine klare Meinung gibt, sondern die Meinung immer gerade dann gedreht wird, wie sie gebraucht wird – auch für die Öffentlichkeit“, erinnerte Baumgart an die unzähligen Pirouetten Lauterbachs in den vergangenen knapp zwei Jahren.

Und überhaupt: „Warum sollte eine Impfpflicht für Spieler eingeführt werden, wenn wir es nicht mal schaffen, bei Pflegepersonal, die ja tagtäglich am Menschen arbeiten, eine Impfpflicht einzuführen?“, fragte der 49 Jahre alte Fußballlehrer nicht ganz unberechtigt und versenkte den Ball damit gekonnt im Kasten der Politik.

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU, l.) und der Trainer vom 1. FC Köln, Steffen Baumgart Fotos: picture alliance / Promediafoto | Michael Deines/PROMEDIAFOTO / SvenSimon | Frank Hoermann/SVEN SIMON / JF-Montage
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