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Berlin-Alexanderplatz: Hotspot für Sexualdelikte
Berlin-Alexanderplatz: Hotspot für Sexualdelikte Foto: picture alliance/dpa | Jörg Carstensen

Hotspot Alexanderplatz
 

Zahl der Sexualdelikte in Berlin steigt auf Rekordhoch

BERLIN. Die Zahl der Sexualdelikte in Berlin hat 2020 einen neuen Höchststand erreicht. 4.468 Personen wurden Opfer einer Sexualstraftat, wie aus einer Antwort auf eine parlamentarische Anfrage des Abgeordneten Marcel Luthe (Freie Wähler) hervorgeht, die der Welt vorab vorliegt.

Laut Kriminalitätsstatistik wurden in Berlin im vergangenen Jahr 4.468 Menschen Opfer einer Sexualstraftat. Dies sei ein leichter Anstieg im Vergleich zu 2019 (4438 Opfer) und ein deutlicher Anstieg im Vergleich zu 2018 (4040 Opfer). 610 Personen hätten dabei körperliche Verletzungen erlitten, 15 Personen schwere und eine Person tödliche Verletzung.

„Während Bagatelldelikte in Berlin zurückgehen, haben die nicht zu ignorierenden sogenannten Opferdelikte weiter zugenommen“, sagte Luthe der Zeitung. Vor allem Vergewaltigungsopfer müßten seiner Ansicht nach in den Mittelpunkt polizeilichen Handelns gerückt werden. „Der Schutz der Bürger vor Gewalt und die Sicherung ihrer Freiheit ist die zentrale Kernaufgabe des Staates, die Berlin offensichtlich nicht erfüllt“, kritisierte Luthe den Senat.

Opferdelikte haben 2020 weiter zugenommen

An drei Orten habe es nach Angaben der Polizei besonders viele Übergriffe gegeben. Hierzu zählen der Alexanderplatz, an dem 146 Taten stattfanden, Wedding Zentrum mit 86 gemeldeten Delikten und Tempelhof mit 85 Straftaten. Seitdem die Kriminalität am Alexanderplatz in den letzten Jahren zunahm, gibt es mitten auf dem Platz eine eigene Polizeiwache.

Von den 3.121 ermittelten Tatverdächtigen seien 94,9 Prozent männlich gewesen, 35,8 Prozent hätten nicht die deutsche Staatsangehörigkeit besessen. Zum Anteil der Tatverdächtigen mit Migrationshintergrund liegen laut der Senatsverwaltung für Inneres keine Zahlen vor. Diese Angaben würden in der Statistik nicht erhoben, wie ein Senatssprecher der JUNGEN FREIHEIT mitteilte. Der Anteil der Tatverdächtigen unter 21 Jahren habe 23,6 Prozent betragen.

Den deutlichsten Anstieg in der Statistik für Opfer von Sexualdelikten hat es laut dem Blatt bislang vom Jahr 2016 (2.669 Opfer) zu 2017 (3.654 Opfer) gegeben. Damals habe sich das Sexualstrafrecht verschärft, indem der Straftatbestand der sexuellen Belästigung eingeführt worden sei. Strafbar sei seitdem nicht mehr nur erzwungener Sex mit Gewalt oder Gewaltandrohung, sondern auch, wenn sich ein Täter über den „erkennbaren Willen“ des Opfers hinwegsetze. Dann drohten bis zu fünf Jahre Freiheitsstrafe.

2020 hatte der Sicherheitsdienst der Berliner Verkehrsbetriebe einen deutlichen Anstieg bei der Zahl der Sexualdelikte registriert und dies, obwohl es im vergangenen Jahr ein geringeres Besucheraufkommen in den Bahnen gegeben habe. 150 sexuelle Übergriffe sind 2020 gezählt worden. Dies hatte ebenfalls eine Anfrage des damals fraktionslosen Abgeordneten Marcel Luthe ergeben. (hl)

Berlin-Alexanderplatz: Hotspot für Sexualdelikte Foto: picture alliance/dpa | Jörg Carstensen
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