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Thilo Sarrazin und Sarah Wagenknecht: „Würde sie aus der Partei gedrängt, so wäre dies für die Wahlchancen der Linkspartei desaströs“
Thilo Sarrazin und Sarah Wagenknecht: „Würde sie aus der Partei gedrängt, so wäre dies für die Wahlchancen der Linkspartei desaströs“ Fotos: picture alliance / Mika Schmidt | Mika Schmidt / ZUMAPRESS.com | Sachelle Babbar / JF-Montage

Nach Kritik an Buch von Linkenpolitikerin
 

Sarrazin verteidigt Wagenknecht

BERLIN. Der Bestsellerautor und langjährige SPD-Politiker Thilo Sarrazin hat Sahra Wagenknecht gegen Rechtspopulismus-Vorwürfe in Schutz genommen. Anlaß ist die Kritik an der Linken-Politikerin wegen ihres neuen Buchs, in dem sie mit dem Linksliberalismus und der linken Identitätspolitik abrechnet.

„Sie hat sehr klar in ihrem neuen Buch ‘Die Selbstgerechten’ aufgeschrieben, welche Positionen Die Linke einnehmen müßte, wenn sie Arbeiterinteressen vertreten will. Das würde sich auch in den Wahlergebnissen niederschlagen“, sagte Sarrazin der JUNGEN FREIHEIT. Damit erweise sie ihrer Partei einen Dienst.

Klare und schonungslose Analyse

Wenn die Menschen das Gefühl hätten, ihr Staat schütze sie nicht angemessen vor Gefahren – wozu auch die unkontrollierte Masseneinwanderung zähle –, dann verlören sie ihr Vertrauen. „Und dann kann es auch zu Wahlergebnissen kommen, die manche schockieren. Solche Sorgen der Menschen haben mit dem ‘rechten Rand’ zunächst einmal nichts zu tun. Wir müssen nur dafür sorgen, daß sie nicht dorthin getrieben werden“, warnte Sarrazin.

Wagenknecht sei ihm trotz ihrer unterschiedlichen ordnungspolitischen Leitbilder und ihres marxistisch geprägten Weltbildes schon vor Jahren als Ökonomin aufgefallen, die sehr klar und auch schonungslos analysieren könne. „Da bleibt nichts Wolkiges zurück, und das mißfällt vielen Linken, die vor allem auf einen moralischen Wohlfühl-Effekt setzen“, erläuterte der frühere Bundesbankvorstand.

Es sei selbstverständlich, daß sich die Verhältnisse der nicht so starken und vielleicht auch prekär beschäftigten Teilnehmer am Arbeitsmarkt, die häufig auch nicht so gut ausgebildet seien, durch Masseneinwanderung von wenig Qualifizierten nicht verbessern, sondern verschlechtern würden.

Rauswurf würde Wahlchancen deutlich verringern

Um so tragischer sei es, daß in Deutschland mittlerweile die AfD in vielen Bundesländern die Partei mit den meisten Arbeiterstimmen sei. „Das trifft die SPD, aber auch Die Linke. Und besonders verstörend ist, daß dies den Funktionären dieser beiden Parteien anscheinend ziemlich gleichgültig ist. Dem Arbeitermilieu sind sie jedenfalls weitgehend entwachsen.“

Sarrazin warnte die Linkspartei davor, sich an seinem Beispiel zu orientieren und Wagenknecht wegen mißliebiger Äußerungen aus der Partei zu drängen. „Wenn ich mir die aktuellen Meinungsumfragen der SPD anschaue, so hat es ihr offenbar bei den Wählern nicht genutzt, daß ich nicht mehr Mitglied bin. Im Unterschied zu mir, der ich zur verrufenen Gruppe der alten weißen Männer zähle, ist Sahra Wagenknecht ein Medienstar. Würde sie aus der Partei gedrängt, so wäre dies für die Wahlchancen der Linkspartei desaströs.“ (JF)

> Das gesamte Interview mit Thilo Sarrazin ist in der aktuellen Ausgabe der JUNGEN FREIHEIT (Nr. 17/21) erschienen.

Thilo Sarrazin und Sarah Wagenknecht: „Würde sie aus der Partei gedrängt, so wäre dies für die Wahlchancen der Linkspartei desaströs“ Fotos: picture alliance / Mika Schmidt | Mika Schmidt / ZUMAPRESS.com | Sachelle Babbar / JF-Montage
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