Bundeswehrverbandschef André Wüstner: Kreitmayr sei ein „äußert integren, pflichtbewußten Offizier“
Bundeswehrverbandschef André Wüstner: Kreitmayr sei ein „äußert integrer, pflichtbewußter Offizier“ Foto: picture alliance / Michael Kappeler/dpa | Michael Kappeler / Kay Nietfeld/dpa | Kay Nietfeld / JF-Montage

„Amnestieboxen“
 

Bundeswehrverband warnt vor Ablösung von KSK-Kommandeur Kreitmayr

BERLIN. Der Deutsche Bundeswehrverband hat das Verteidigungsministerium vor einer voreiligen Absetzung von KSK-Kommandeur Markus Kreitmayr gewarnt. Sollte dieser von Ministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) „abgelöst werden oder gar erneut die Auflösung des KSK zur Debatte stehen, ohne daß vorher umfassend ermittelt worden wäre, befürchte ich einen größeren Vertrauensverlust in den Streitkräften“, sagte Verbandschef André Wüstner der Deutschen Presse-Agentur (dpa).

Er kenne den Brigadegeneral „als äußert integren, pflichtbewußten Offizier“, ergänzte Wüstner. „Er ist energisch gegen die beim KSK bekanntgewordenen Mißstände vorgegangen und hat einen wesentlichen Kulturwandel eingeleitet.“ Der Bundeswehrverbandschef warnte Kramp-Karrenbauer davor, in das „alte Fahrwasser“ ihrer Vorgängerin und heutigen EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen (CDU) zu geraten. Bei ihr habe man den Eindruck bekommen können, „daß Bauernopfer als vermeintliches Zeichen von Führungsstärke wichtiger waren als Aufklärung und Einordnung der Sachlage“.

Kreitmayr kurz vor Ablösung

Medienberichten zufolge steht Kreitmayr kurz vor seiner Ablösung wegen seines Vorgehens im Zusammenhang mit verschwundener Munition beim Kommando Spezialkräfte im baden-württembergischen Calw.

WDR und NDR hatten in der vergangenen Woche berichtet, daß unter Kreitmayrs Führung eine Amnestieregelung eingeführt worden war, bei der Soldaten straffrei entwendete oder unterschlagene Bundeswehr-Munition zurückgeben konnten. Dabei seien im vergangenen Jahr zehntausend Schuß Munition zurückgebracht worden – mehr als vermißt wurde. Nach dpa-Informationen stehen die Ermittlungen, die auch den seit 2018 eingesetzten KSK-Kommandeur Kreitmayr betreffen, kurz vor dem Abschluß.

Kreitmayr drohte rechten Soldaten

Die „Amnestieboxen“ waren im Prozeß gegen einen KSK-Soldaten in Sachsen bekanntgeworden. Bei ihm im Garten hatte die Polizei nach Hinweisen des Militärgeheimdienstes MAD 2020 ein Waffenversteck mit entwendeter Munition und Sprengstoff entdeckt. Die Linkspartei hatte Kreitmayrs Ablösung gefordert. Am Mittwoch soll das Thema auch im Verteidigungssausschuß des Bundestags diskutiert werden.

Kreitmayr war als zentrale Figur im Reformprozeß beim KSK eingesetzt worden. Im Mai 2020 hatte er in einem Rundbrief an die Eliteeinheit rechte Soldaten aufgefordert, ihren Abschied aus der Armee zu nehmen. Andernfalls werde man sie ausfindig machen und aus der Truppe entfernen. (ls)

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